Uschi Glas ist zweifellos eine der beständigsten und bekanntesten Persönlichkeiten des deutschen Films. Seit Jahrzehnten prägt sie die Bildschirme und Kinoleinwände, verkörperte in den 60er und 70er Jahren die unbeschwerte Jugend und später die starke, moderne Frau. Doch wer heute auf das Leben der fast 82-jährigen Ikone blickt, erkennt hinter der makellosen Fassade eine Geschichte, die von tiefem Schmerz, innerer Zerrissenheit und einer späten, mühsam erkämpften Freiheit erzählt. Ihr Weg war kein glatter Aufstieg, sondern ein ständiger Balanceakt zwischen öffentlicher Erwartung und privater Wahrheit.

Geboren in einfachen Verhältnissen, entwickelte Uschi Glas früh den Drang, sich aus vorgegebenen Grenzen zu befreien. Ihr Durchbruch in Filmen wie „Zur Sache, Schätzchen“ machte sie über Nacht zum Star. Doch während das Publikum eine selbstbewusste junge Frau feierte, begannen im Verborgenen bereits die Kämpfe, die sie über viele Jahre begleiten sollten. Der Erfolg brachte nicht nur Ruhm, sondern auch eine immense Last mit sich. Glas glaubte fest an die Liebe und die Beständigkeit der Familie, doch gerade in diesen Bereichen erlebte sie ihre schwersten Niederlagen.

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Der größte Schmerz ihres Lebens, so wird heute deutlich, war kein plötzlicher Schicksalsschlag, sondern eine schleichende Phase der Überforderung. Nach außen hin funktionierte sie perfekt: als Schauspielerin, als verlässliche Mutter von drei Kindern und als öffentliche Figur. Doch innerlich fühlte sie sich oft allein gelassen mit ihren Sorgen. Besonders das Scheitern ihrer ersten Ehe mit Bernd Tewaag im Jahr 2003 markierte eine Zäsur. Es war nicht nur das Ende einer Beziehung, sondern der Zusammenbruch ihres Ideals von familiärer Stabilität. Die Verantwortung für ihre Kinder Ben, Julia und Alex wog schwer auf ihren Schultern. In dieser Zeit kämpfte sie mit massiven Schuldgefühlen und der quälenden Frage, ob sie als Mutter und Partnerin versagt hatte.

Lange Zeit versuchte Uschi Glas, ihre Unsicherheit und Angst zu verbergen. Sie wollte ihren Kindern Halt geben und dem Bild entsprechen, das die Öffentlichkeit von ihr hatte. Diese Verdrängung der eigenen Verletzlichkeit bezeichnet sie heute als ihre größte Belastung. Ihr heutiger Ehemann, Dieter Hermann, beschreibt sie als eine Frau, die unglaublich viel trägt, ohne zu klagen. Doch diese Stärke hatte einen hohen Preis. Es gab viele stille Momente, in denen die Traurigkeit sie überwältigte und Tränen flossen, die niemand sah. Ihr eigener Schmerz war ihr oft zweitrangig; wichtiger war stets das Wohlbefinden ihrer Kinder. Dieses ständige Zurückstellen der eigenen Gefühle zehrte sie innerlich aus.

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Ein entscheidender Wendepunkt kam leise. Es gab keinen öffentlichen Skandal, sondern eine tiefgreifende innere Erkenntnis. In einer Phase, in der beruflich alles nach Plan lief, spürte sie plötzlich eine Leere, die sie nicht mehr ignorieren konnte. Sie fühlte sich wie eine Fremde im eigenen Leben, die nur noch eine Rolle spielte – auch wenn die Kameras längst ausgeschaltet waren. Diese Erschütterung war der Beginn eines langen Heilungsprozesses. Uschi Glas musste lernen, dass wahre Stärke nicht darin liegt, alles allein durchzustehen, sondern darin, Hilfe anzunehmen und Grenzen zu setzen.

Die Begegnung mit Dieter Hermann spielte dabei eine zentrale Rolle. Er gab ihr den Raum und die Sicherheit, ihre Gefühle zu zeigen, ohne bewertet zu werden. Ihre Ehe, die sie 2005 eingingen, basiert weniger auf jugendlichen Idealen als auf Reife, Respekt und gegenseitigem Verständnis. Hier fand sie eine neue Form der Liebe, die leiser, aber stabiler ist. Es war eine Liebe, in der sie sich nicht mehr verbiegen musste, um zu genügen.

Heute, mit fast 82 Jahren, tritt auch das Thema Gesundheit stärker in den Vordergrund. Die Energie ist nicht mehr unbegrenzt vorhanden; Schlafstörungen und Kreislaufprobleme zwingen sie dazu, kürzerzutreten. Es fiel der disziplinierten Schauspielerin anfangs schwer, Warnsignale ihres Körpers ernst zu nehmen, doch mittlerweile hat sie gelernt, Pausen ohne Schuldgefühle zu akzeptieren. Das Älterwerden bringt auch eine gewisse Melancholie mit sich. Erinnerungen an Verluste und die Sorge um die inzwischen erwachsenen Kinder begleiten sie, doch sie begegnet diesen Gedanken mit einer neuen Klarheit.

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Auch finanziell blickt sie auf ein erfolgreiches Leben zurück. Durch kluge Investitionen und jahrzehntelange harte Arbeit hat sie sich ein beachtliches Vermögen und ein Heim geschaffen, das ihr als Rückzugsort dient. Doch materieller Besitz hat für sie heute einen anderen Stellenwert. Er bedeutet Freiheit und Unabhängigkeit, ist aber kein Schutz vor innerer Unruhe. Reichtum definiert sie heute über Lebensqualität und den inneren Frieden, den sie nach all den Jahren der Zerrissenheit gefunden hat.

Das Lebenswerk von Uschi Glas ist beeindruckend, nicht nur wegen ihrer künstlerischen Leistungen, sondern wegen ihrer menschlichen Integrität. Ihr soziales Engagement für benachteiligte Kinder zeigt, dass sie Erfolg immer auch als Verpflichtung verstanden hat. Sie hinterlässt keine glatte Legende, sondern eine zutiefst menschliche Geschichte von einer Frau, die durch Brüche und Schmerzen gewachsen ist. Ihre Offenheit über das Scheitern und den späten Neuanfang macht sie zu einer Identifikationsfigur, die zeigt: Es ist nie zu spät, sich selbst wiederzufinden und mit der eigenen Geschichte Frieden zu schließen. Uschi Glas hat bewiesen, dass die wahrhaftigste Form der Stärke die Ehrlichkeit gegenüber sich selbst ist.