Das Schweigen brechen: Die vernichtende Abrechnung, die Deutschlands Syrien-Narrativ in Trümmer legt

In einer Zeit, in der politische Diskurse oft von Stereotypen und der gezielten Auswahl von Stimmen dominiert werden, ereignete sich in Deutschland ein Moment der Klarheit, der bei den etablierten politischen Eliten Entsetzen auslöste. Im Zentrum stand eine Konferenz mit dem harmlos klingenden Titel „Die Zukunft Syriens: Perspektiven eines zerstörten Landes“, ausgerichtet von einer Partei, die sich gerne als Hüterin von Minderheiten und als Inbegriff von Weltoffenheit präsentiert: Die Grünen. Doch was folgte, war keine fruchtbare Debatte, sondern eine intellektuelle Demontage ihrer gesamten Außenpolitik durch einen Mann, der sich als Deutscher mit syrischem Migrationshintergrund vorstellte: Manaf Hassan.

Hassan betrat das Podium nicht, um zu klagen, sondern um einen Spiegel vorzuhalten – einen Spiegel, in dem die Grüne Partei und ihre Verbündeten ein Bild der selektiven Wahrnehmung und der ideologischen Verblendung sehen mussten, das sie nicht ertragen konnten. Seine Worte, ruhig und doch messerscharf, entlarvten eine jahrelang gepflegte Einseitigkeit, die das Vertrauen in die deutsche Politik untergräbt und, so sein Vorwurf, die Sicherheit des eigenen Landes gefährdet. Die Reaktion der anwesenden Politiker war dabei ebenso aufschlussreich wie schockierend: Sie verloren die Fassung.

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Die Illusion der repräsentativen Stimme: Der Mythos der Minderheit

Manaf Hassan begann seine Analyse mit einer rhetorischen Frage, die den Kern des Problems traf: Wie kann man über die Zukunft und die Perspektiven eines kriegszerstörten Landes reden, wenn man systematisch die überwiegende Meinung der Bevölkerung ignoriert? Er stellte fest, dass er auf unzähligen Konferenzen stets dieselbe kleine Minderheit syrischer Stimmen eingeladen sah, jene, die eine oppositionelle Haltung zum Regime von Präsident Baschar al-Assad vertraten.

„Wir haben ja aber die ganze Zeit nur eine Seite gehört“, kritisierte er. Dieses Vorgehen verschleiert die Tatsache, dass ein Krieg immer von Kriegsrechtsverletzungen auf allen Seiten begleitet wird. Indem man die Gräueltaten der Rebellen oder der sogenannten „gemäßigten Opposition“ ausblendet, wird ein vereinfachtes, manichäisches Bild gezeichnet, das der komplexen Realität Syriens nicht gerecht wird.

Der wohl schärfste und rhetorisch brillanteste Angriff richtete sich gegen die fragwürdige Auswahl der Informationsquellen. Die Grünen und die Medien beriefen sich laut Hassan immer wieder auf die Meinungen von Flüchtlingen, die in Deutschland leben. Er zog eine Analogie, die in ihrer Prägnanz erschütterte: „Flüchtlinge zu befragen ist, wie in den Osten Deutschlands zu fahren, dort Umfragen zu machen und sie repräsentativ für ganz Deutschland vorzustellen.“

Er wusste, dass dieser Vergleich sofort verstanden wurde: Wäre eine Umfrage, die bewusst eine Bevölkerungsgruppe mit einer tendenziell abweichenden politischen Haltung isoliert, repräsentativ für das Gesamtbild? Natürlich nicht. Hassan unterstellte den Politikern damit, ihre Quellen bewusst selektiv zu wählen, um eine Stimmung zu erzeugen, die ihre eigene politische Agenda stützt. Er fügte beißend hinzu, dass die Grünen, würde man diese Methode auf Deutschland anwenden, in den Umfragen „viel weiter unten“ stünden. Diese Kritik entlarvte nicht nur eine Methodik, sondern eine Strategie der Meinungsbildung, die auf der gezielten Ausgrenzung unbequemer Realitäten beruht.

Die unbequeme Wahrheit: Assads Rückhalt und die Motivlage der Flüchtlinge

Manaf Hassan, der nach eigener Aussage seit seiner Geburt in Deutschland jedes Jahr in Syrien war, konnte die Diskrepanz zwischen dem deutschen Narrativ und der gelebten Realität bezeugen. Er sprach aus, was viele in Deutschland nicht hören wollen: Die Behauptung, viele Syrer seien vor Assad geflohen, um ihren unbefristeten Aufenthalt in Deutschland zu sichern, ist ein offenes Geheimnis, über das die Politik kein Wort verliere.

Dieser Punkt ist von enormer politischer Sprengkraft. Er impliziert, dass ein Teil der Flüchtlingswelle nicht aus primär politischen Gründen, sondern aus migrationspolitischen Kalkülen erfolgt, und dass die deutsche Asylpolitik durch die Weigerung, die Realität in Syrien differenziert zu betrachten, diese Erzählung begünstigt.

Eng damit verbunden ist die Realität der Machtverhältnisse in Syrien. Hassan stellte unmissverständlich klar, dass Präsident Assad den „größten Rückhalt im Volk“ habe und nur deshalb die jahrelange Krise überstanden habe. Unabhängig davon, wie man politisch zu ihm steht, ignoriere man eine politische Tatsache, wenn man ihn aus Friedensgesprächen ausschließt. Er betonte, dass selbst wenn man nur 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung als Unterstützer Assads annehme, diese riesige Zahl an Menschen ein Recht auf eine Stimme habe und nicht einfach ignoriert werden dürfe.

Der Kommentar des Videoerstellers unterstrich diese Realität mit einem Blick auf die Gebietskontrolle: Assad kontrolliert die dicht besiedelten Gebiete und die größten Flächen des Landes. Die Vorstellung, über die „Zukunft Syriens“ zu entscheiden, ohne den größten politischen und militärischen Player einzubeziehen, sei ein Akt der Selbsttäuschung, der genauso absurd sei, wie „sich über Einhörner zu unterhalten“. Ohne Assad sei jede Konferenz zur Syrien-Frage von vornherein irrelevant.

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Die Verratenen: Minderheitenschutz und islamistische „Rebellen“

Die ideologische Verblendung der Grünen, so Hassan, führte zu einer fatalen Fehleinschätzung der Konfliktparteien. Die deutsche Außenpolitik neigt dazu, die Opposition als „gemäßigte Rebellen“ zu bezeichnen, doch Hassan entlarvte diese Gruppen als das, was sie in weiten Teilen der syrischen Gesellschaft sind: „islamistische Muslimbrüder und radikale Salafisten.“

Gerade in den westlichen Teilen Syriens, wo zahlreiche religiöse Minderheiten leben, stützen sich diese Bevölkerungsgruppen vehement auf Assad. Der Grund ist einfach und brutal: Assad gewährt ihnen eine religiöse Freiheit und einen Schutz, den sie unter den islamistischen Oppositionsgruppen, die in Syrien Kriegsverbrechen begangen haben, niemals genießen könnten. Die vermeintlich menschenrechtsorientierte Außenpolitik Deutschlands vergisst in ihrer Fixierung auf den Sturz Assads jene Minderheiten, deren Leben durch die Förderung der „Rebellen“ massiv gefährdet wird.

Die deutsche Politik, so lautete der erschütternde Vorwurf, drücke die eigene moralische Vorstellung auf eine komplexe Realität auf und ignoriere dabei die Existenz gefährlicher Rebellengruppen, denen möglicherweise sogar Waffen aus dem Westen geliefert werden – Waffen, die sie dann gegen die Zivilbevölkerung einsetzen. „Man kann hier nicht einfach über das ganze Land reden, wenn man hier einen der wichtigsten Faktoren ausschaltet“, forderte Hassan, dessen Stimme nun spürbar an Entschlossenheit gewann.

Der Spiegel des Inlandes: Unsicherheit als außenpolitische Folge

Manaf Hassan ging noch weiter und stellte eine direkte, kausale Verbindung zwischen der deutschen Syrien-Politik und der innenpolitischen Sicherheitslage her. Er warf der Politik vor, die Sicherheit des eigenen Landes zu gefährden und die Probleme in Syrien nicht zu lösen. „Es ist doch nicht mehr verwunderlich, dass Deutschland unsicherer geworden ist“, stellte er fest.

Seine Argumentation: „Die Situation in Deutschland ist ein Spiegelbild von dem, was wir im Ausland treiben.“ Indem Deutschland und seine Verbündeten ein wirres, von Islamisten durchzogenes Rebellengerüst fördern, schaffen sie unbeabsichtigt ein Umfeld, in dem sich „viele Straftäter, ehemalige Terroristen und radikale Islamisten“ in Deutschland sicher fühlen. Er enthüllte, dass er sich als Deutscher und „moderner weltoffener Muslim“ zunehmend aufpassen müsse, was, wie und wo er sage, weil er sich für all jene Menschen einsetze, die von diesen radikalen Elementen bedroht werden, auch dem Morden von Christen.

Diese Aussage aus dem Mund eines Mannes mit syrischem Hintergrund hatte die Wirkung eines Donnerschlags. Sie drehte das gängige Narrativ – dass Deutschlands Migrationspolitik aus humanitärer Notwendigkeit resultiere – um und präsentierte sie als sicherheitspolitisches Versagen mit fatalen inländischen Konsequenzen. Hassan spürte, dass er nicht nur für sich sprach, sondern für die Stimmen der gut integrierten und oft assimilierten Personen mit Migrationshintergrund, deren Meinungen von politischen Richtungen missbraucht oder ignoriert würden.

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Der Ruf nach Diplomatie und die Wut der Zensur

Sein ultimativer Appell war ein Aufruf zur Realpolitik und zur Sicherheit. Angesichts von über einer Million Syrern in Deutschland forderte Hassan die deutsche Regierung auf, diplomatische Beziehungen zur syrischen Regierung aufzunehmen. Nicht aus politischer Sympathie, sondern aus Notwendigkeit: „Damit wir auch wahre Hintergründe zu Syrern haben, die hierher gekommen sind“, sagte er. Es sei eine Frage der Sicherheit des Landes und der Aufrichtigkeit in Bezug auf die Menschenrechte, die man so oft beschwöre.

An diesem Punkt war die Anspannung im Raum nicht mehr zu übersehen. Der Videoersteller kommentierte im Hintergrund, wie „unruhig“ und „aggressiv“ die Grünen-Vertreter wurden, wie die „Laune massiv nach unten“ sank. Sie konnten es schlichtweg nicht ertragen, Widerspruch von einer Person zu hören, die sie gedanklich längst „in der Tasche“ wähnten.

Die Konfrontation gipfelte in einem Akt, der die wahre Toleranzschwelle der Debattenkultur entlarvte. Als Hassan seinen Satz beenden wollte, wurde er unterbrochen und schließlich mit einem schockierenden Vorwurf mundtot gemacht. Ein sichtlich irritierter Gesprächsleiter, offensichtlich genervt von dem Widerspruch, warf ihm die „AFD-Linie“ vor – eine sofortige Diffamierung, die jede weitere sachliche Diskussion unmöglich machte und ihn politisch isolieren sollte.

Hassan versuchte, sich zu wehren und wies den Vorwurf zurück, bevor ihm abrupt das Mikrofon abgestellt wurde. Die Behauptung, eine abweichende Meinung zur Syrien-Politik – die faktische Argumente über die Gebietskontrolle, den Schutz von Minderheiten und die Sicherheitslage einbrachte – sei gleichbedeutend mit der Unterstützung einer rechtspopulistischen Partei, demonstrierte eine tief sitzende Intoleranz. Es zeigte sich, dass die freie Meinungsäußerung nur so lange geduldet wird, wie sie das eigene ideologische Weltbild bestätigt.

Manaf Hassan verließ das Podium, nachdem ihm das Wort entzogen worden war, aber seine Worte hallen nach. Er hatte die vermeintliche moralische Hoheit und die ideologische Monokultur der Grünen in einer Weise demontiert, die in Erinnerung bleiben wird. Seine Geschichte ist ein eindringlicher Beweis dafür, dass Authentizität und die Bereitschaft, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, gerade von jenen, die sich als „offen“ definieren, am aggressivsten bekämpft werden. Das Ende des Gesprächs, in dem ihm das Mikrofon abgestellt wurde, ist somit nicht nur das Ende einer Debatte, sondern ein schockierendes Dokument über die Intoleranz, die herrscht, wenn die Realität das wohlige, aber falsche Narrativ zu sprengen droht.