Thüringer Wald Thüringen September 1979. Es gibt Orte, die nicht verschwinden. Sie werden nur vergessen. Und in der DDR, wo jede Straße, jeder Wald, jede Siedlung auf einer Karte verzeichnet war, war vergessen eine offizielle Angelegenheit. An jenem Septembergen, als der Nebel über den dichten Wäldern des Thüringer Waldes hing und die Sonne nur als blasses Versprechen durchkam, gingster Klaus Richter seine übliche Route.
20 km, dieselben Wege, seit 12 Jahren. Klaus war 47 Jahre alt, grau werdende Haare, ruhige Hände. Ein Mann, der Bäume besser kannte als Menschen. Er arbeitete für den volkseigenen Forstbetrieb Thüringen. Sein Job war einfach. Den Wald kontrollieren, Schädlinge melden, illegale Holzfälle aufspüren, nichts Besonderes.
Aber an diesem Morgen fand er etwas, das nicht da sein sollte. Hat er eine Straße? nicht auf seiner Karte, nicht in seinen Notizen, nicht in irgendeinem Bericht, den er in Zöf Jahren gelesen hatte. Eine alte Straße, überwachsen. Gras wuchs durch die Steine, aber sie war da, und sie führte tiefer in den Wald. Klaus blieb stehen, zog seine Karte heraus, faltete sie auf, suchte nichts, kein Weg, keine Markierung, nur Wald. Er sah zurück.
Die Straße war nicht lang, vielleicht zweihundert m und dann verschwand sie zwischen den Bäumen. Klaus zögerte. Er hatte Anweisungen. Bleib auf den markierten Wegen. Melde Abweichungen. Geh nicht allein. Aber er war allein und die Straße war da. Er folgte ihr. Die Bäume wurden dichter, ältere Bäume, manche so alt, daß sie vor dem Krieg gepflanzt worden sein mußten.
Klaus spürte, wie die Luft kälter wurde, feuchter, als würde der Wald hier anders atmen. Und dann sah er es. Ein Haus nicht verfallen, nicht komplett zerstört, aber verlassen. Die Fenster waren leer, die Tür hing schief, das Dach hatte Löcher. Klaus blieb stehen. Sein Herz schlug schneller. Er ging näher, sah sich um.
Nicht nur ein Haus, mehrere. 6 7 8. Eine ganze Reihe. Auf beiden Seiten der Straße und weiter hinten zwischen den Bäumen eine Kirche, klein Stein, der Turm halb eingestürzt. Klaus spürte, wie sich sein Magen umdrehte. Das war eine Siedlung, aber auf seiner Karte gab es keine Siedlung. Er zog sein Notizbuch heraus, schrieb: September 1979, Kilm 11, nordöstlich von Oberhof.
Unbekannte Siedlung, acht Häuser, eine Kirche, keine Karte. Er ging zum ersten Haus, die Tür war offen. Er trat ein. Der Geruch traf ihn sofort, feucht, muffig, war aber nicht verrottet, als wäre das Haus nicht lange genug leer gewesen, um zu sterben. Drinnen, ein Tisch, zwei Stühle, ein Regal, leer, kein Geschirr, keine Kleidung, nichts, aber an der Wand, ein Kalender.
Klaus trat näher. Das Papier war vergilbt, aber lesbar. April 1945 Klaus spürte, wie ihm kalt wurde. Das Kriegsende. Er ging zurück nach draußen zum nächsten Haus. Dasselbe, leer, verlassen, aber nicht zerstört. Und dann ging er zur Kirche. Die Tür war verschlossen, aber das Schloss war alt, verrostet. Klaus drückte dagegen.
Einmal, zweimal, das Schloss brach, die Tür schwang auf. drinnen, Bänke, Altar, Kreuz, alles intakt, kein Vandalismus, keine Zerstörung und auf dem Altar ein Buch aufgeschlagen. Klaus ging hin. Das Buch war ein Kirchenregister. Geburten, Hochzeiten, Todesfälle. Er blätterte zur letzten Seite.
Der letzte Eintrag war vom 8. Mai 1945. Ein Name. Anna Brand beerdigt. Klaus schrieb: “Letzte Eintragung 8. Mai er sah sich um. Die Kirche war still, zu still. Und dann hörte er etwas Schritte draußen. Klaus drehte sich um, ging zur Tür, sah hinaus. Niemand, nur der Wald, die Bäume, der Nebel, aber die Schritte waren da gewesen.
Klaus verließ die Kirche, ging weiter. Hinter der Kirche war ein Friedhof, kleine Grabsteine, verwittert, Moos bedeckt, aber lesbar. Klaus kniete sich vor den ersten Stein. Hermann folgt. Geboren 1887, gestorben 1944. Er ging zum nächsten. Elisabeth Krause, geboren 1892, war gestorben 1945. Alle Daten endeten um 1945. Klaus stand auf, sah sich um, zählte die Gräber. 20 30 40.
Und dann sah er etwas, das ihn innerhalten ließ. Ein Grab ohne Namen, nur ein Kreuz. Und darauf mit Kreide geschrieben, wer erinnert sich? Klaus spürte, wie sich sein Nacken anspannte. Er zog seine Kamera heraus, fotografierte alles, die Häuser, die Kirche, den Friedhof, die Gräber. Und dann ging er zurück, schnell, ohne sich umzusehen.
Als er zwei Stunden später in seinem Büro ankam, rief er sofort seinen Vorgesetzten an. Herr Brenner, ich habe etwas gefunden. Was? Eine Siedlung, acht Häuser, eine Kirche, Friedhof. Kilm 11 nordöstlich von Oberhof. Kurze Pause. Das ist unmöglich. Ich habe Fotos. Es gibt dort keine Siedlung. Doch, alles da. Brenner atmete aus. Bleiben Sie, wo Sie sind.

Ich komme. Brenner kam eine Stunde später mit zwei anderen Männern. Keine Uniformen, nur dunkle Jacken, keine Namen. Sie sahen sich die Fotos an, langsam, schweigend. Dann sagte Brenner: “Zeigen Sie uns.” Klaus führte sie zurück durch den Wald, zur Straße, zu den Häusern. Die Männer sahen sich um, gingen durch die Häuser, zur Kirche, zum Friedhof.
Niemand sprach und dann nach 20 Minuten sagte einer der Männer: “Das ist Siedlung 19.” Klaus runzelte die Stirn. Siedlung 19. Der Mann nickte. Offiziell geschlossen. 1945 administrative Auflösung. Was heißt das? Es heißt, dass diese Siedlung nicht mehr existiert. Offiziell. Klaus sah sich um. Aber sie ist hier. Nein, sagte der Mann.
Sie ist in den Akten geschlossen. Das bedeutet, sie existiert nicht. Klaus spürte, wie sich sein Magen umdrehte, aber die Menschen, wo sind sie hin? Der Mann sah ihn an, seine Augen waren kalt. Das wissen wir nicht. Brenner trat zu Klaus. Herr Richter, was Sie hier gesehen haben, wird nicht dokumentiert verstanden. Klaus starrte ihn an.
Warum nicht? Weil es so entschieden wurde. Von wem? Von oben. Klaus schüttelte den Kopf. Das ergibt keinen Sinn. Es muss keinen Sinn ergeben, sagte Brenner. Es ist eine Anweisung. Klaus sah zurück zu den Häusern, zu der Kirche, zu den Gräbern. Und wenn ich nicht schweige? Brenner sah ihn lange an.
Dann haben sie nie hier gearbeitet. Klaus verstand. Er ging zurück allein, schweigend, aber er nahm die Fotos mit. Klaus konnte nicht schlafen. Drei Nächte lang lag er wach, starrte an die Decke und dachte an die Siedlung, an die Häuser, an die Kirche, an das Grab ohne Namen. Wer erinnert sich? Am vierten Tag beschloss er, Antworten zu finden.
Er fuhr nicht zurück in den Wald, das wäre zu auffällig gewesen. Stattdessen fuhr er nach Erfurt in die Stadt zur Staatsbibliothek. Die Bibliothek war groß, grau, kalt. Typisch DDR Architektur. Klaus ging hinein, zeigte seinen Ausweis. “Ich suche historische Karten”, sagte er. Thüringer Wald 1930 bis 1950. Die Bibliothekarin, eine Frau Mitte 50 mit strenger Brille, nickte.
Dritter Stock, Raum 12. Klaus ging hoch. Raum 12 war klein, staubig. voller Regale. Er zog die Karten heraus, eine nach der anderen. 1930, 1940, 1953 und dann fand er sie. Eine Karte von 1942, militärisch, detailliert und dort, genau, wo Klaus die Siedlung gefunden hatte, stand ein Name: Siedlung Eichgrund.
Klaus spürte, wie sein Puls schneller wurde. Er zog eine neuere Karte heraus, 1950, dieselbe Stelle, aber kein Name mehr, nur Wald, als wäre die Siedlung nie da gewesen. Klaus fotografierte beide Karten heimlich, schnell, dann ging er zurück nach unten zur Bibliothekarin. “Gibt es Archive?”, fragte er, Einwohnregister, Gemeindedokumente.
Die Frau sah ihn mißstrauisch an. Wofür? Forschung. Lokale Geschichte. Sie zögerte, dann nickte sie. Keller, aber sie brauchen eine Genehmigung. Von wem? Von der Verwaltung. Klaus nickte. Danke. Er ging nicht zur Verwaltung. Stattdessen wartete er, bis die Bibliothek schloß, bis nur noch die Putzfrauen da waren.
Und dann ging er runter in den Keller. Der Keller war dunkel, eng. voller Kartons. Klaus zog seine Taschenlampe heraus, suchte. Die Kartons waren nach Jahren sortiert. Er fand 1945, zog ihn heraus, darin Dokumente, Dorfregister, Umsiedlungsbefehle und dann fand er es. Ein Dokument getippt offiziell mit Stempel. Siedlung Eichgrund administrative Schließung 8.
Mai 1945. Einwohnerzahl 46 Status evakuiert. Klauslass weiter. Grund der Schließung strategische Neuordnung. Alle Einwohner wurden nach Oberhof umgesiedelt. Siedlung wird nicht mehr bewirtschaftet. Karteneintrag wird entfernt. Klaus starrte auf das Dokument. E46 Menschen. Evakuiert. Aber wohin? Er suchte weiter und dann fand er eine Liste.
Namen, Namen. Hermann folgt, Elisabeth Krause, Anna Brand, alle Namen, die er auf den Grabsteinen gesehen hatte. Und dann sah er etwas, das ihn inhalten ließ, neben jedem Namen. Ein Verk. Umsiedlung abgeschlossen, neuer Wohnort, Oberhof. Aber darunter handschriftlich ein zweiter Vermerk. Ankunft nicht bestätigt.
Klaus spürte, wie ihm kalt wurde. 46 Menschen wurden evakuiert, aber niemand kam an. Er fotografierte alles, jede Seite, jeden Namen, jeden Vermerk. Dann verließ er die Bibliothek schnell, ohne gesehen zu werden. Am nächsten Tag fuhr Klaus nach Oberhof, ein kleines Dorf. Kilometer von der Siedlung entfernt. Er ging zum Gemeindeamt.
Er, eine alte Frau, saß hinter einem Schreibtisch. Frau Weber stand auf dem Schild. Guten Tag, sagte Klaus. Ich suche Informationen über Umsiedlungen. 1945 aus Siedlung Eichgrund. Frau Weber sah ihn lange an. Eichgrund. Ja. Sie schüttelte den Kopf. Da gab es keine Umsiedlung. Klaus zog die Liste heraus. Hier steht, dass seund Menschen hierher kamen. Frau Weber nahm die Liste.
Lass, ihr Gesicht wurde bleich. Das ist unmöglich. Warum? Weil ich hier seit 1948 arbeite und ich habe nie von Eichgrund gehört. Klaus lehnte sich vor. Aber die Dokumente sagen, die Dokumente lügen. Frau Webers Stimme wurde leise. Oder jemand hat sie geändert. Klaus runzelte die Stirn. Wer würde das tun? Frau Weber sah zur Tür, dann zurück zu Klaus.
Miss, sie sollten nicht weiterfragen. Warum nicht? Weil es Dinge gibt, die man in der DDR nicht fragt. Klaus stand auf. Kennen Sie jemanden, der sich erinnert? Jemanden, der damals hier war. Frau Weber zögerte. Dann schrieb sie einen Namen auf einen Zettel, schob ihn zu Klaus. Gehen Sie zu ihm, aber sagen Sie nicht, dass ich Sie geschickt habe.
Klaus las den Namen Otto Meer. Waldstraße 7. Er nickte. Danke. Waldstraße 7 war ein kleines Haus am Rand von Oberhof. Alte Ziegel, kleiner Garten. Klaus klopfte an die Tür. Ein alter Mann öffnete. 70, vielleicht älter. Graues Haar, müde Augen. Ja, Herr Meer, wer fragt? Klaus Richter Förster. Ich habe ein paar Fragen.
Meer sah ihn misstrauisch an. Worüber? Eichgrund. Meersas Gesicht veränderte sich. Nicht viel, aber genug. Äh, kommen Sie rein. Drinnen roch es nach Kaffee und altem Holz. Meer setzte sich. Klaus auch. Sie wissen von Eichgrund, fragte Meer leise. Ich habe die Siedlung gefunden im Wald. Meer nickte langsam.
Dann sind Sie der erste seit 34 Jahren. Was ist passiert? Meer atmete tief ein. Ich war Soldat. 1945 kurz vor Kriegsende. Wir bekamen einen Befehl. Siedlung Eichgrund: Evakuieren sofort. Warum? Das haben sie uns nicht gesagt. Nur alle raus, schnell. Und dann wir sind hin mit Lastwagen, haben die Leute geholt. 46 alte Kinder alle.
Klaus schrieb 46. Evakuierung, Lastwagen. Und wohin habt ihr sie gebracht? Meer sah auf seine Hände. Das ist das Problem. Wir sollten sie nach Oberhof bringen. Aber er brach ab. Aber was? Aber wir sind nie angekommen. Klaus runzelte die Stirn. Wie meinen Sie das? Ich meine, dass wir losgefahren sind durch den Wald und dann war da Nebel.
Dichter Nebel. Wir konnten nichts sehen. Und als der Nebel weg war, Meer schluckte, waren die Leute weg. Klaus spürte, wie sich sein Magen umdrehte. Alle. Ja, alle. Die Lastwagen waren leer. Keine Leute, keine Spuren, nichts. Und was habt ihr gemacht? Wir sind zurück nach Eichgrund gefahren, aber Meer sah Klaus direkt an.
Die Siedlung war auch leer. Klaus lehnte sich zurück. Das ergibt keinen Sinn. Ich weiß, aber so war es. Und dann? Dann haben wir es gemeldet, aber niemand wollte es glauben. Sie haben gesagt, wir lir sind verrückt. Und dann Meer zögerte. E, dann haben sie die Siedlung aus den Karten gelöscht.

Klaus schrieb: “Aus Karten gelöscht. offiziell nie existiert. Warum? Meer schüttelte den Kopf, weil es einfacher war. Wenn die Siedlung nie existiert hat, dann sind auch nie Menschen verschwunden. Klaus stand auf. Glauben Sie, dass die Menschen noch da sind in Eichgrund? Meer sehen lange an. Ich glaube, dass manche Orte Leute nicht loslassen, auch wenn sie weg sind.
Klaus verließ das Haus, fuhr zurück in den Wald zur Siedlung. Diesmal war er nicht allein. Er hatte eine Kamera, ein Tonbandgerät und eine Liste mit 46 Namen. Als er die Siedlung erreichte, war es Abend. Die Sonne stand tief, der Nebel zog auf. Klaus ging zur Kirche, öffnete das Register, las die Namen laut vor. Jeder Name, einer nach dem anderen.
Und als er fertig war, hörte er etwas, ein Schritte, nicht eine. Viele, um ihn herum. Klaus drehte sich um, sah sich um, niemand. Aber die Schritte waren da, und dann ganz leise, eine Stimme. Wer erinnert sich? Klaus stand in der Kirche. Sein Herz schlug schnell, zu schnell. Die Stimme war da gewesen, leise, aber klar.
Wer erinnert sich? Er drehte sich langsam um, leuchtete mit der Taschenlampe, die Bänke, der Altar, die Wände. Niemand. Aber die Luft fühlte sich anders an, dichter, als würde jemand atmen. Klaus ging nach draußen. Der Nebel war dichter geworden. Er konnte kaum 10 m weit sehen. Er ging zum Friedhof, zu den Gräbern, leuchtete jeden Stein an. Die Namen waren noch da.
Hermann folgt, Elisabeth Krause, Anna Brand. Und dann sah er etwas Neues, das Grab ohne Namen, das mit der Kreide. Die Schrift hatte sich verändert. Nicht mehr wer erinnert sich, sondern du erinnerst dich. Klaus spürte, wie ihm kalt wurde. Er hatte niemanden gesehen, niemanden gehört, aber jemand hatte die Schrift geändert.
Er zog seine Kamera heraus, fotografierte das Grab und dann hörte er es wieder. Schritte näher, langsamer. Klaus drehte sich um, leuchtete in den Nebel, eine Gestalt, verschwommen, kaum sichtbar. “Wer ist da?”, rief Klaus. “Die Gestalt bewegte sich nicht, stand nur da, wartete.” Klaus. Tr näher, Schritt für Schritt. Und dann sah er es.
Es war eine Frau, alt, gra, dünnes Kleid, barfuß. Sie sah ihn an. Ihre Augen waren leer, aber wach. “Sie sollten nicht hier sein”, sagte sie leise. Klaus hielt die Taschenlampe ruhig. “Wer sind Sie?” “Ich bin Anna.” Anna Brand. Klaus spürte, wie sein Atem stockte. Anna Brand, aber sie sind 1945 gestorben. Die Frau lächelte.
Kein warmes Lächeln. Nein, ich bin geblieben hier in Eichgrund. Ja. Klaus sah sich um. Wo sind die anderen? Anna zeigte in den Nebel. Überall. Sie sind nie gegangen. Aber die Evakuierung war eine Lüge. Annas Stimme wurde härter. Sie haben uns geholt in Lastwagen. Aber sie haben uns nicht weggebracht. Sie haben uns zurückgelassen.
Klaus runzelte die Stirn. Warum? Anna sah auf den Boden. Weil Eichgrund ein Problem war. Was für ein Problem? Wir wussten zu viel. Klaus trat näher. Worüber? Anna sah ihn an. über das, was im Wald passiert ist in den letzten Kriegsmonaten. Die Transporte, die Lager, die Menschen, die verschwanden.
Klaus spürte, wie sich sein Magen umdrehte. Was für Transporte, Züge, Lastwagen. Sie kamen nachts, fuhren durch den Wald und niemand sollte sehen, was sie brachten. Und sie haben gesehen, Anna nickte. Wir alle haben gesehen. Und wir haben geredet. Und das sie zögerte. Das war unser Fehler. Klaus schrieb in seinem Kopf mit Transporte. Kriegsende.
Eichgrund wusste zu viel. Was ist mit Ihnen passiert? Anna sah zurück zur Kirche. Sie haben uns evakuiert, sagten wir müssen gehen für unsere Sicherheit. Aber als wir in die Lastwagen stiegen, sie brach ab. Was? Dann kam der Nebel. Dichter Nebel und wir konnten nichts sehen. Und dann ihre Stimme wurde leise.
Dann waren wir hier zurück in Eichgrund, aber alles war anders. Klaus runzelte die Stirn. Anders wie? Wir konnten nicht raus. Die Straße führte nirgendwohin. Der Wald hatte keine Enden. Und die Zeit. Sie sah auf ihre Hände. Die Zeit stand still. Klaus spürte, wie sich sein Nacken anspannte.
Wie wie lange sind Sie hier? Seit 1945. Das sind 34 Jahre. Anna schüttelte den Kopf. Für sie vielleicht. Für uns fühlt es sich an wie gestern. Klaus sah sich um. Der Nebel, die Häuser, die Kirche und die anderen, wo sind sie? Anna zeigte in verschiedene Richtungen. In den Häusern. auf den Feldern. Sie warten.
Worauf darauf, dass jemand sich erinnert. Klaus verstand langsam. Deshalb die Schrift: “Wer erinnert sich?” Anna nickte. Wenn niemand sich erinnert, existieren wir nicht. Klaus zog die Liste heraus. Die 46 Namen. Ich habe alle Namen. Ich erinnere mich. Anna sah auf die Liste, ihre Augen wurden feucht. Dann sind Sie der erste. Klaus trat näher.
Was passiert, wenn ich mich erinnere? Anna sah ihn lange an. Dann können wir gehen. Klaus spürte, wie wie sich etwas in ihm löste. Wohin? Dorthin, wo wir hätten sein sollen. 1945 Klaus schüttelte den Kopf. Das ist unmöglich. Diese Zeit ist vorbei. Für sie, nicht für uns. Klaus stand da, die Liste in der Hand, der Nebel um ihn herum und dann hörte er sie.
Stimmen, viele Stimmen aus den Häusern, aus dem Wald, aus dem Nebel. Alle flüsterten dasselbe. Wer erinnert sich? Klaus holte tief Luft, dann begann er zu lesen. Laut, klar. Hermann folgt, Elisabeth Krause, Anna Brand, Karl Fischer, Maria Lehmann. Mit jedem Namen wurde der Nebel dünner, die Stimmen wurden lauter, nicht bedrohlich, dankbar. Klaus, lass weiter.
Alle 46 Pause. Und als er fertig war, war der Nebel verschwunden. Die Häuser waren noch da. Die Kirche, der Friedhof. Aber die Menschen waren weg. Klaus stand allein da, seine Liste in der Hand. Und dann sah er etwas auf dem Friedhof, ein neues Grab, frisch mit Stein. Er ging hin, las die Innenschrift. Siedlung Eichgrund, 46 Selen, 1945 bis 1979.
Nie vergessen. Klaus spürte, wie ihm Tränen kamen. Er fotografierte alles, jedes Grab, jedes Haus, jede Straße. Und dann ging er zurück durch den Wald zur Zivilisation. Am nächsten Tag ging Klaus zu seinem Vorgesetzten Brenner. Ich war wieder in Eichgrund, sagte Klaus. Brenner sah ihn scharf an. Ich habe Ihnen gesagt, ich weiß, was Sie gesagt haben, aber ich habe Beweise.
Klaus legte die Fotos auf den Tisch, die Namen, die Dokumente. Brenner sah sie an. Lange schweigend. Das wird nicht veröffentlicht, sagte er schließlich. Sir, warum nicht? Weil es so entschieden wurde. Klaus lehnte sich vor. Diese Menschen haben ein Recht darauf, erinnert zu werden. Brenner stand auf. Herr Richter, in der DDR haben Menschen nicht das Recht, sich zu erinnern.
Sie haben das Recht zu vergessen. Klaus spürte, wie sich Wut in ihm aufbaute. Und wenn ich trotzdem rede? Brenner sah ihn lange an. Dann arbeiten sie ab morgen nicht mehr hier. Klaus nickte. Dann rede ich. Er nahm die Fotos, verließ das Büro, ging nach Hause und begann zu schreiben. Alles, jeden Namen, jedes Detail.
Drei Tage später wurde er entlassen, ohne Begründung, ohne Abfindung, aber er hatte die Geschichte und er würde sie erzählen, auch wenn es 40 Jahre dauern würde. Klaus Richter lebte die nächsten 10 Jahre in Stille. Keine Arbeit im Forst, keine offiziellen Dokumente, nur kleine Jobs, Gelegenheitsarbeit. Und nachts schrieb er, er schrieb über Eichgrund, über die 46 Namen, über Anna Brand, über den Nebel.
Er versteckte die Dokumente in seinem Keller, in Kisten, unter Brettern, an Orten, wo niemand suchen würde. Und er wartete auf den Tag, an dem die Mauer fallen würde. 9. November 1989. Die Mauer fiel. Klaus saß in seiner Wohnung, hörte Radio und weinte nicht vor Freude, vor Erleichterung, weil er endlich reden konnte.
Am nächsten Tag fuhr Klaus nach Erfurt zur Zeitung, Thüringer Allgemeine. Er trug eine Kiste voller Fotos, Dokumente, Notizen. “Ich habe eine Geschichte”, sagte er zur Redakteurin. “Eine junge Frau, Anfang 30. Je kurze Haare, scharfe Augen. Ihr Name war Petra Hartmann.” “Was für eine Geschichte”, fragte sie über ein Dorf, das vergessen wurde.
Petra sah ihn skeptisch an. vergessen. Von wem? Von der DDR, von allen. Klaus öffnete die Kiste, zeigte ihr die Fotos, die Namen, die Dokumente. Petra sah sie an, lange, schweigend. Dann sagte sie: “Das ist unmöglich.” “Nein, ist echt.” Petra nahm eines der Fotos. Die Kirche, der Friedhof, die Grabsteine. Wo ist das? Thüringerwald.
Kilometer nordöstlich von Oberhof. Petra schrieb: “Und sie sagen, diese Siedlung existiert nicht offiziell.” Richtig, sie wurde 1945 aus den Karten gelöscht. Warum? Klaus zögerte, weil die Menschen zu viel wussten. Petra sah ihn scharf an, worüber? Transporte, Kriegsende, Dinge, die nicht gesehen werden sollten.
Petra lehnte sich zurück. Das ist eine große Behauptung. Ich habe Beweise. Zeigen Sie mir. Klaus zog die Liste heraus. Die 46 Namen, die Evakuierungsbefehle, die handgeschriebenen Verkunft nicht bestätigt. Petra Lars langsam gründlich. Dann sagte sie, ich komme mit. Sie fuhren am nächsten Tag Klaus und Petra durch den Wald zur Siedlung.
Der Weg war schwerer zu finden. Der Nebel war weg, die Straße überwachsen. Aber Klaus erinnerte sich, jeder Schritt, jeder Baum. Und dann waren sie da. Die Häuser standen noch, die Kirche, der Friedhof. Petra ging langsam, fotografierte alles, die Häuser, die Fenster, die Gräber. “Das ist unglaublich”, flüsterte sie.
Klaus nickte, und niemand spricht darüber. Petra kniete sich vor einen Grabstein. Hermann folgt, gestorben. 1944. Sie sah Klaus an. Glauben Sie wirklich, dass diese Menschen hier verschwunden sind? Ja, wie? Klaus sah auf den Nebel, der langsam aufzog. Ich weiß es nicht, aber ich habe sie gesehen. Petra runzelte die Stirn.
Sie haben sie gesehen. Klaus nickte. 1979. Ich habe mit einer von ihnen gesprochen. Anna Brand. Petra sah ihn lange an. Herr Richter, sie wissen, wie das klingt? Ja, wie eine Lüge oder wie eine Halluzination. Klaus schüttelte den Kopf. Es war keine Halluzination. Ich habe die Namen gelesen. Laut. Alle 46.
Und dann waren sie weg. Petra stand auf. Wir brauchen mehr. Wir brauchen offizielle Dokumente, Zeugen. Etwas, das beweist, dass diese Siedlung existiert hat. Klaus nickte. Ich weiß, aber wo wir anfangen können. Sie fuhren zurück nach Erfurt, zur Staatssicherheitszentrale, die Stasiizentrale. Nach der Wende waren die Türen offen, die Archive zugänglich.
Menschen strömten hinein, suchten nach ihren Akten. Klaus und Petra gingen hinein zum Archiv. Wir suchen Dokumente über Siedlung Eichgrund, Thüringerwald, 1945. Der Archivar, ein älterer Mann mit müden Augen, nickte. Moment. Er ging in den Keller. Kam 20 Minuten später zurück mit einer Akte, dünn, vergilbt.
Mit Stempel, geheim, nicht zur Veröffentlichung. Klaus öffnete sie. Darin ein Bericht. Getippt. Datt Mai 1945. Siedlung Eichgrund. Evakuierung abgeschlossen. 46 Personen in Gewahrsam genommen. Transport nach Buchenwald. Weitere Anweisungen folgen. Klaus spürte, wie ihm kalt wurde. Buchenwald, flüsterte er. Petra sah ihn an. Das Konzentrationslager.
Klaus nickte. Sie wurden nicht umgesiedelt. Sie wurden verhaftet. Petra las weiter. Aber warum? Klaus zeigte auf den nächsten Absatz. Grund: Zeugen unerlaubter Transportvorgänge, potenzielle Sicherheitsbedrohung, Empfehlung, dauerhafte Isolierung. Petra atmete scharf ein. Sie haben sie weggesperrt, weil sie etwas gesehen haben. Klaus nickte.
Und dann haben sie die Siedlung aus den Karten gelöscht, als wäre sie nie da gewesen. Petra fotografierte jede Seite, jedes Dokument. Das ist groß, sagte sie. Das ist sehr groß. Klaus nickte. Ich weiß. Sie gingen zurück zur Zeitung. Petra schrieb den Artikel. Klaus gab alle Fotos, alle Dokumente. Der Artikel erschien eine Woche später.
Titelseite die vergessene Siedlung, wie die DDR ein ganzes Dorf löschte. Die Reaktion war sofort: Briefe, Anrufe, andere Zeitungen und dann meldete sich jemand, ein alter Mann, 80 Jahre alt. Er hieß Friedrich Brand. “Ich bin Annas Bruder”, sagte er am Telefon. “Ich habe sie gesucht, seit 1945.” Klaus traf sich mit ihm in einem Café in Erfurt.
Friedrich war klein, zerbrechlich, aber seine Augen waren klar. “Sie haben Anna gesehen?”, fragte er. Klaus nickte. 1979 in Eichgrund. Friedrich schluckte. Wie war sie? Alt, aber präsent. Sie wusste, wer sie war. Friedrich schlossß die Augen. Ich habe gewusst, daß sie nicht weg ist. Ich habe es immer gewusst. Klaus zeigte ihm die Liste.
Sie steht hier. Anna Brand, gestorben, 8. Mai 1945. Friedrich schüttelte den Kopf. Sie ist nicht gestorben. Sie ist geblieben. Klaus nickte langsam. Das hat sie auch gesagt. Friedrich sah Klaus an. Kann ich dorthin? zu Eichgrund. Klaus zögerte. Ich weiß nicht, ob bitte. Klaus nickte. Dann fahren wir.
Sie fuhren zwei Tage später. Klaus, Friedrich, Petra. Der Weg war noch schwerer zu finden. Der Wald hatte sich verändert, dichter, dunkler. Aber Klaus fand ihn. Die Siedlung lag still, die Häuser standen, die Kirche, der Friedhof. Friedrich ging langsam, Schritt für Schritt zu den Gräbern. Er fand Annas Stein, kniete sich davor.
“Ich bin hier”, flüsterte er. “Ich habe dich nicht vergessen.” Und dann passierte etwas. Der Nebel kam plötzlich dicht. Klaus sah sich um. Petra griff nach ihrer Kamera und dann sahen sie sie. Eine Gestalt im Nebel, langsam, näher kommend. Es war Anna. Sie sah genauso aus wie 1979, alternativ, grau, aber präsent.
Sie ging zu Friedrich, blieb vor ihm stehen. “Friedrich”, sagte sie leise. Friedrich sah hoch. Tränen liefen über sein Gesicht. Anna, du hast mich nicht vergessen. Nein. Nee. Anna lächelte. “Dann kann ich jetzt gehen.” Friedrich stand auf. “Wohin?” Dorthin, wo ich hätte sein sollen. Und dann langsam löste sie sich auf, nicht schmerzlich, sanft wie Nebel in der Sonne.
Friedrich stand da, allein, aber nicht traurig. “Auf Wiedersehen”, flüsterte er. Der Nebel verschwand. Petra fotografierte alles, aber auf den Fotos war nichts, nur Nebel. Klaus schrieb alles auf, jedes Wort, jede Bewegung. Und drei Wochen später erschien der zweite Artikel: “Die Geister von Eichgrund, warum ein Dorf 34 Jahre wartete.
Die Artikel veränderten alles. Innerhalb von zwei Wochen meldeten sich 23 Familien. Alle suchten nach Angehörigen, die 1945 verschwunden waren. Alle Namen standen auf Klaus Liste. Die Regierung reagierte langsam. Aber sie reagierte. Eine offizielle Untersuchung wurde eingeleitet. Eine Kommission gebildet. Historiker, Juristen, Archivare.
Klaus wurde als Zeuge geladen. Er saß in einem großen Saal in Erfurt. Vor ihm fünf Männer in Anzügen. Kein Lächeln, nur ernst. Herr Richter begann der Vorsitzende. Ein Mann Mitte 60, graues Haar, strenge Brille. Sie behaupten, daß Siedlung Eichgrund existiert hat. Ich behaupte es nicht. Ich habe es gefunden.
Und Sie behaupten, dass 46 Menschen dort verschwunden sind? Ja. Haben Sie Beweise? Klaus zog die Kiste hervor auf dieselbe, die er Petra gezeigt hatte. Fotos, Dokumente, die Liste. Die Kommission sah sie an. Lange schweigend. Dann sagte einer der Männer: “Diese Dokumente sind authentisch. Wir haben sie überprüft.” Klaus nickte.
“Dann wissen Sie, dass ich die Wahrheit sage. Wir wissen, dass Siedlung Eichgrund existiert hat”, sagte der Vorsitzende. “Aber wir wissen nicht, was mit den Menschen passiert ist.” “Ich schon”, sagte Klaus. “Sie wurden nach Buchenwald gebracht. Das steht in einem Dokument, aber es gibt keine weiteren Aufzeichnungen.
Klaus lehnte sich vor, weil sie gelöscht wurden oder weil sie nie existiert haben. Klaus spürte, wie sich Wut in ihm aufbaute. Diese Menschen haben existiert. Ihre Familien suchen nach ihnen seit 44 Jahren. Der Vorsitzende atmete aus. Wir werden weiter ermitteln. Wann? Das kann dauern. Klaus stand auf.
Diese Familien haben genug gewartet. Er verließ den Saal. Draußen wartete Petra. Und sie ermitteln weiter, aber langsam. Petra nickte. Dann machen wir selbst weiter. Sie fuhren nach Buchenwald, das ehemalige Konzentrationslager. Jetzt eine Gedenkstätte. Sie sprachen mit dem Leiter. Ein älterer Mann. Historiker, ruhig, respektvoll.
Wir suchen nach Aufzeichnungen, sagte Petra. 1945, Transport aus Thüringer Wald, 46 Personen. Der Leiter nickte. Wir haben viele Lücken, aber ich kann suchen. Er kam zwei Stunden später zurück mit einer Akte. Das ist alles, was wir haben. Klaus öffnete sie. Darin eine Liste. Handgeschrieben. Datt Mai 1945. Ankunft 46 Personen.
Herkunft Siedlung Eichgrund Status Quarantäne Klausl weiter. 15. Mai zwei Personen verstorben. 19. Mai fünf Personen verstorben, 23. Mai restliche Personen verlegt. Ziel unbekannt. Klaus spürte, wie ihm übel wurde. “Sie sind gestorben”, flüsterte er. “Oder sie wurden verlegt, aber niemand weiß wohin.” Petra fotografierte die Seite.
“Das ist ein Massenmord.” Der Leiter nickte. Oder eine Vertuschung. Klaus sah auf die Liste. Wie viele sind gestorben? Sieben laut dieser Akte und die restlichen 39 verlegt. Aber das Ziel ist nicht angegeben. Klaus stand auf. Dann müssen wir das Ziel finden. Sie gingen zurück nach Erfurt.
Petra kontaktierte andere Archive Berlin, Dresden, Leipzig und nach drei Wochen fanden sie etwas. Eine Akte aus Dresden. Datt Juni 1945 Transport aus Buchenwald 39 Personen. Ziel: Arbeitslager: Torgau. Klaus und Petra fuhren nach Torgau, eine kleine Stadt in Sachsen. Früher ein sowjetisches Speziallager. Sie sprachen mit dem Archivar.
Ein junger Mann, engagiert, hilfsbereit. “Wir haben Aufzeichnungen”, sagte er. Aber viele sind unvollständig. Er brachte ihnen eine Kiste voller Papiere, Listen, Namen. Klaus suchte Seite für Seite und dann fand er sie. Eine Liste mit 39 Namen, alle aus Eichgrund und neben jedem Namen ein Datum und ein Wort. Entlassen. Klaus starrte darauf.
Entlassen. Wann? Er sah auf die Daten. Alle zwischen Juli und September 1945. “Sie wurden entlassen”, flüsterte er. “Ah, sie sind nicht gestorben.” Petra sah ihn an. “Aber wohin sind Sie gegangen?” Klaus schüttelte den Kopf. “Ich weiß es nicht.” Der Archiv trat näher. “Darf ich?” Klaus reichte ihm die Liste. Der Archivar las.
Dann sagte er: “Entlassen bedeutet nicht frei. In Torgau bedeutete es verlegt. Wieder!” Klaus spürte, wie sich sein Magen umdrehte. “Wohin? Das steht hier nicht, aber es gibt ein Muster. Die meisten wurden nach Westen verlegt, in die sowjetische Besatzungszone oder nach Osten, nach Polen oder Russland.” Klaus sah auf die Namen.
Menschen verloren, vergessen. Wie finden wir sie? Der Archivar zögerte. Das ist schwierig. Viele Archive in Osteuropa sind nicht zugänglich oder zerstört. Petra nickte. Aber wir können es versuchen. Klaus sah sie an. Das wird Jahre dauern. Dann dauert es Jahre. Sie arbeiteten drei Jahre lang.
Klaus, Petra und dutzende Freiwilliger. Sie schrieben an Archive in Polen, in Russland, in Tschechien und langsam kamen Antworten. Zwei Namen wurden in Polen gefunden. Arbeitslager. Gestorben 1947. Fünf Namen in Russland. Gulx. Gestorben zwischen 1948 und 50. Sieben Namen in Deutschland, umgesiedelt, neue Identitäten, neues Leben.
Und dann im Jahr 1995 kam der letzte Brief aus einem kleinen Dorf in Polen, nahe der deutschen Grenze. Ein alter Mann hatte geschrieben. Er hieß Paul Fischer. Ich bin aus Eichgrund, stand in dem Brief. Ich habe überlebt und ich will nach Hause. Klaus weinte, als er den Brief las. Er rief Paul an. Sie sprachen eine Stunde. Paul erzählte alles.
Die Verhaftung, Buchenwald, Torgau, die Zwangsarbeit in Polen, die Jahre, die Stille. Ich dachte, niemand erinnert sich, sagte Paul. Ich dachte, Eichgrund ist weg. Nein, sagte Klaus. Eichgrund ist noch da und wir erinnern uns. Paul kam zwei Wochen später. Klaus holte ihn ab. Sie fuhren zusammen durch den Wald zur Siedlung.
Paul ging langsam, Schritt für Schritt zu den Häusern, zur Kirche, zum Friedhof. Er kniete sich vor die Gräber, las die Namen. “Sie sind alle hier!”, flüsterte er. Klaus nickte. “Ja.” Paul sah hoch. Tränen in den Augen. Ich bin der letzte. Klaus setzte sich neben ihn. Nein, sie sind der erste, der erste, der zurückgekommen ist. Paul lächelte. Danke.
Sie saßen lange da, schweigend. Und dann sagte Paul: “Was passiert jetzt mit Eichgrund?” Klaus sah auf die Siedlung. “Wir machen es offiziell. Ein Denkmal. 46.” Paul nickte. Gut, zwei Jahre später wurde das Denkmal errichtet. Ein Stein, groß mit allen Namen. Siedlung Eichgrund 1945 bis 1979 46 Seelen. Nee, vergessen.
Klaus stand bei der Einweihung. Paul neben ihm, Petra, Friedrich Brand, dutzende Familien. Und als der Stein enthüllt wurde, war es still. Nicht die Stille des Vergessens, sondern die Stille des Erinnerns. Klaus Richter wurde 80 Jahre alt, sein Haar war weiß, seine Hände zitterten leicht, aber seine Augen waren klar.
Er lebte noch in Thüringen in einem kleinen Haus allein. Petra besuchte ihn manchmal, Paul Fischer auch, bis er starb. Klaus ging jedes Jahr nach Eichgrund. Einmal immer im September, an dem Tag, an dem er die Siedlung gefunden hatte. Es war inzwischen 2020, 41 Jahre später. Klaus stand am Denkmal, sah auf die Namen. Alle 46.
Hermann folgt, Elisabeth Krause, Anna Brand, Paul Fischer. “Ihr seid nicht vergessen”, flüsterte er. Der Wald war ruhig, kein Nebel, nur Herbstwind. Blätter fielen. Klaus ging zur Kirche. Die Tür war offen. Sie war restauriert worden. Nicht komplett, aber genug, um sicher zu sein. Er setzte sich auf eine Bank, schloss die Augen und dann hörte er sie. Eine Stimme, leise, vertraut.
Danke. Klaus öffnete die Augen, sah sich um. Niemand, aber die Stimme war da gewesen. Anna, er war sicher. Klaus lächelte, gern geschehen. Er verließ die Kirche, ging zurück zum Denkmal, stand einen Moment still und dann drehte er sich um, ging langsam zurück zum Wald. Es war Zeit zu gehen.
Drei Jahre später starb Klaus Richter. Ruhig im Schlaf. Petra organisierte die Beerdigung in Eichgrund am Friedhof. Sein Grabstein stand neben Annas. Klaus Richter 1932 bis 2023. Er erinnerte sich: “Heute ist Eichgrund ein offizieller Gedenkort, Menschen kommen, lesen die Namen, hören die Geschichte, aber manchmal, wenn der Nebel aufzieht, hören sie auch etwas anderes.
Stimmen, leise, dankbar, aber wer erinnert sich?” Und die Antwort ist immer dieselbe. Wir alle. Im Sommer kam eine junge Frau nach Eichgrund. Sie hieß Laura Fischer, Pauls Enkelin. Sie war Historikerin, forschte über vergessene Orte in der DDR. Sie stand am Denkmal, las die Namen, machte Fotos und dann sah sie etwas. Ein neues Grab, klein, frisch.
Sie ging hin, las die Inschrift. Klaus Richter. Er erinnerte sich. Laura knihte sich hin, legte Blumen ab. Danke, flüsterte sie. Und dann hörte sie es. Eine Stimme nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Gegenwart. Wirst du dich auch erinnern? Laura sah sich um. Niemand, aber die Frage hing in der Luft.
Sie zog ihr Notizbuch heraus, begann zu schreiben jeden Namen, jedes Detail, jede Geschichte, weil Eichgrund nicht nur ein Ort war, es war eine Erinnerung. Sie und Erinnerungen sterben nur, wenn niemand mehr zuhört. Laura verbrachte drei Monate in Thüringen, interviewte Familien, las Archive, schrieb. Und im Januar 2025 veröffentlichte sie ein Buch.
Die Siedlung, die nicht vergessen werden durfte. Eichgrund und die 46. Das Buch wurde ein Erfolg, nicht weil es sensationell war, sondern weil es wahr war. Menschen lasen es, lernten, erinnerten sich und in Eichgrund wurde ein zweites Denkmal errichtet, kleiner, aber nicht weniger wichtig. Für alle, die sich erinnern, Laura stand bei der Einweihung neben Petra, neben dutzenden anderen, und als sie auf das Denkmal sah, spürte sie etwas.
nicht Traurigkeit, nicht Wut, sondern Frieden, weil Eichgrund endlich gefunden worden war, nicht auf einer Karte, sondern in den Herzen derer, die zuhörten. Und solange jemand sich erinnerte, würde Eichgrund nie wieder verschwinden. Abonniere den Kanal für weitere Akten aus Deutschlands dunkelsten Ecken. neue Episoden jede Woche, denn manche Wahrheiten verschwinden nicht.
Sie warten nur darauf, dass jemand ihren Namen ausspricht.
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