Fast ein Jahrhundert lang hat Mel Brooks die Welt zum Lachen gebracht. Doch im Alter von 99 Jahren ist die Stimme des legendären Komikers von einer Schwere gezeichnet, die kein Witz der Welt lindern kann. Nach dem schockierenden Tod seines engsten Vertrauten Rob Reiner und dessen Ehefrau Michelle hat Brooks nun sein Schweigen gebrochen. In einem hochemotionalen Interview offenbart er eine Wahrheit, die weit über die polizeilichen Schlagzeilen hinausgeht: Der Doppelmord im Nobelviertel Brentwood war kein plötzliches Unglück, sondern das bittere Ende eines „zehnjährigen Zeitlupen-Absturzes“, den der engste Freundeskreis hilflos mit ansehen musste.

Mel Brooks, der über sieben Jahrzehnte lang unzertrennlich mit Robs Vater, Carl Reiner, verbunden war, sah in Rob nicht nur einen Kollegen, sondern einen Sohn. Er begleitete ihn von den ersten Schritten in den Armen seines Vaters bis hin zum gefeierten Regisseur. Doch hinter den Kulissen der Hollywood-Idylle braute sich ein Sturm zusammen, den Brooks heute als „ticking time bomb“ beschreibt: Robs Sohn Nick Reiner.

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In seinen Ausführungen blickt Brooks tief in die Abgründe einer Familie, deren größte Tugend – die bedingungslose Liebe – letztlich zu ihrem Verhängnis wurde. „Wir haben diesen Absturz zehn Jahre lang beobachtet“, gesteht Brooks mit zitternder Stimme. „Und wir haben es geschehen lassen, weil wir Rob zu sehr liebten, um ihm zu sagen, dass er im Unrecht war.“ Es ist das Geständnis einer ganzen Generation von Hollywood-Größen, die das Schweigen der Intervention vorzogen.

Laut Brooks war Nick kein Fremder, der über Nacht zum Monster wurde. Er war ein junger Mann, der im Schatten zweier Legenden – Carl und Rob Reiner – zerbrach. Trotz jahrelanger Suchtprobleme, Aggressionen und finanzieller Erpressung weigerten sich Rob und Michelle, ihren Sohn aufzugeben. Brooks erinnert sich an einen Nachmittag vor etwa sechs Monaten, als Rob völlig erschöpft bei ihm erschien. Er berichtete, dass er nachts seine Schlafzimmertür abschließen müsse, weil er Angst vor seinem eigenen Kind habe. „Stellen Sie sich das vor“, flüstert Brooks, „Rob Reiner, ein Mann, der seine Karriere auf Kommunikation und dem Glauben an das Gute im Menschen aufgebaut hat, musste sich vor seinem Sohn verbarrikadieren.“

Trotz der offensichtlichen Gefahr und der Warnungen von Brooks blieb Rob standhaft in seinem Versprechen, Nick niemals im Stich zu lassen. Er glaubte fest daran, dass die Liebe eines Vaters das heilen könne, woran Medizin und Gesetze gescheitert waren. Er finanzierte Wohnungen, Projekte und Autos, in der verzweifelten Hoffnung auf Besserung. Brooks bezeichnet dies heute als die „Hollywood-Krankheit“: Der Glaube, dass man mit genügend Ressourcen und Führung jedes Leben wie einen Film inszenieren könne. Doch das Leben hielt sich nicht an Robs Drehbuch.

Rob Reiner Described Dad Carl as 'My Idol' at 2017 Hand and Footprint  Ceremony

Besonders erschütternd sind Brooks’ Schilderungen der Tatnacht. Ein letzter Anruf erreichte ihn in der Dunkelheit. Rob flüsterte am Telefon, dass Nick völlig die Kontrolle verloren habe und das Haus zertrümmere. Er forderte das gesamte Erbe und die Kontrolle über alle Familienprojekte. Als Brooks ihn anflehte, das Haus sofort zu verlassen, weigerte sich Rob. „Ich kann Michelle nicht zurücklassen“, war seine letzte Antwort. Er wählte den Tod an der Seite seiner Frau, um sie vor der Wut ihres gemeinsamen Sohnes zu schützen.

Mel Brooks spart in seiner Abrechnung auch nicht mit Kritik an dem System, das die Familie umgab. Hochbezahlte Therapeuten und Berater hätten die Gefahr jahrelang kleingeredet und Rob eingeredet, dass „radikale Akzeptanz“ der einzige Weg sei. Sie hätten die mörderischen Tendenzen mit klinischen Namen versehen, aber nie gewagt, das Offensichtliche auszusprechen: Dass Nick eine tödliche Bedrohung darstellte.

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Heute, als letzter Überlebender einer goldenen Ära der Comedy, trägt Mel Brooks die Last dieser Wahrheit allein. Die sonntäglichen Abendessen, die Jeopardy-Runden und das gemeinsame Lachen sind für immer verstummt. Brooks möchte, dass die Welt Rob Reiner nicht als Opfer eines zufälligen Gewaltverbrechens in Erinnerung behält, sondern als einen Vater, der seine Liebe bis zum Äußersten testete – und dafür den höchsten Preis zahlte.

Wenn Nick Reiner im Januar im orangefarbenen Gefängnisdress vor Gericht steht, wird Mel Brooks zusehen. Nicht mit Rachsucht, sondern mit der tiefen Trauer eines Mannes, der weiß, dass man Gewalt manchmal nicht mit Liebe besiegen kann. Die Geschichte der Reiners bleibt als brutale Mahnung zurück: Dass Schweigen und blinde Hoffnung Türen offen lassen können, die man besser rechtzeitig geschlossen hätte. Mel Brooks hat sein Schweigen gebrochen, und das Echo dieser Tragödie wird Hollywood noch lange verfolgen.