In der glitzernden Welt des Hollywoods der 1960er Jahre gab es nur wenige Gesichter, die so viel Beständigkeit und Charisma ausstrahlten wie das von Pernell Roberts. Als Adam Cartwright, der älteste und besonnenste Sohn in der Erfolgsserie “Bonanza”, wurde er zum Inbegriff des aufrechten Gentlemans im Wilden Westen. Doch während Millionen von Zuschauern jeden Sonntagabend gebannt die Abenteuer auf der Ponderosa-Ranch verfolgten, tobte hinter der makellosen Fassade ein Sturm. Pernell Roberts war kein Mann der leisen Töne oder der bequemen Kompromisse. Er war ein Mann mit einem moralischen Kompass, der so unnachgiebig war, dass er ihn oft in direkten Konflikt mit den mächtigsten Persönlichkeiten der Branche brachte.
Pernell Elvin Roberts Jr., geboren 1928 in Georgia, war schon früh ein Außenseiter. Während andere Kinder sich für Sport begeisterten, zog er sich in die Welt der Musik und des Theaters zurück. Nach einer Zeit beim US Marine Corps, in der er sein künstlerisches Talent in der Militärkapelle pflegte, zog es ihn nach New York. Er war ein klassisch ausgebildeter Shakespeare-Schauspieler, der Tiefe, Bedeutung und soziale Relevanz in seiner Arbeit suchte. Als er 1959 die Rolle des Adam Cartwright annahm, ahnte er wohl kaum, dass dieser Erfolg zu seinem persönlichen goldenen Käfig werden würde.

Roberts verachtete die Oberflächlichkeit der Drehbücher. Er empfand die moralische Schwarz-Weiß-Malerei der Serie als Beleidigung für die Intelligenz des Publikums. Doch noch mehr als die schwachen Skripte störten ihn die Menschen, mit denen er zusammenarbeiten musste. Seine Ehrlichkeit war gefürchtet; er war bereit, Freundschaften und Rollen zu opfern, um seiner Wahrheit treu zu bleiben. Es gab fünf prominente Namen in der Branche, die Roberts zeit seines Lebens kaum tolerieren konnte, und die Gründe dafür werfen ein Schlaglicht auf den tiefen Graben zwischen Schein und Sein in Hollywood.
An oberster Stelle dieser Liste stand Michael Landon. Zu Beginn war ihr Verhältnis kollegial, doch mit Landons wachsendem Einfluss am Set verwandelte sich die Stimmung in offene Feindseligkeit. Roberts sah in Landon einen Manipulator, der besessen davon war, sein eigenes Image als “Little Joe” auf Kosten der anderen Charaktere zu polieren. Er warf Landon vor, Szenen so umzuschreiben, dass er stets als strahlender Held dastand. „Du versuchst nicht, die Show besser zu machen, du willst nur selbst größer wirken“, soll Roberts ihm einst unverblümt ins Gesicht gesagt haben. Für Roberts war Landon der Inbegriff des egozentrischen Stars, der Tiefe nur für die Kamera simulierte.
Auch zu Dan Blocker, dem gutmütigen Hoss, zerbrach die Bindung – allerdings nicht aus Wut, sondern aus tiefer Enttäuschung. Die beiden waren sich anfangs sehr nah, doch als Roberts begann, gegen die flachen Inhalte der Serie zu rebellieren, entzog sich Blocker dem Konflikt. Er wählte den Weg der Neutralität, was Roberts als Mangel an Rückgrat interpretierte. „Dan hat Herz, aber er hat keinen Mut“, sagte Roberts später über seinen Kollegen. Die Stille zwischen ihnen nach Roberts’ Abgang von der Serie war für ihn schmerzhafter als jeder offene Streit.
Ein weiterer heftiger Konflikt entbrannte mit Chuck Connors, dem Star von “Westlich von Santa Fé”. Bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung beobachtete Roberts, wie Connors einen jungen Assistenten wegen einer Nichtigkeit herabwürdigte. Für einen Mann wie Roberts, dem Respekt gegenüber jedem Menschen heilig war, war dies unentschuldbar. Es kam zum lautstarken Eklat hinter der Bühne, bei dem Roberts Connors als „Phonny“ (Heuchler) bezeichnete, woraufhin dieser ihn als verbitterten Versager beschimpfte. Von diesem Tag an war das Tischtuch zwischen den beiden Western-Ikonen endgültig zerschnitten.

Am komplexesten war jedoch das Verhältnis zu Lorne Greene, seinem Serienvater Ben Cartwright. In der Öffentlichkeit galten sie als harmonische Einheit, doch hinter der Kamera empfand Roberts Greene als kontrollierend und viel zu angepasst an das konservative System des Senders. Während Roberts soziale Themen wie Rassismus und Gerechtigkeit in der Serie verankern wollte, war Greene zufrieden damit, das bewährte Erfolgsrezept nicht zu gefährden. Roberts sah in Greenes Verhalten keinen Professionalismus, sondern eine Kapitulation vor dem Kommerz. Sein Abschied von Bonanza im Jahr 1965 war die ultimative Konsequenz: „Ich kann nicht den Rest meines Lebens meinen Hut lupfen und ‘Ja, Pa’ sagen“, erklärte er kurz und knapp.
Der fünfte im Bunde war James Drury, bekannt aus “Die Leute von der Shiloh Ranch”. Hier prallten politische Welten aufeinander. Roberts war ein lautstarker Kritiker des Vietnamkriegs und ein Verfechter der Bürgerrechtsbewegung, während Drury eine strikt konservative Haltung vertrat und Politik aus dem Entertainment heraushalten wollte. Bei einer Fernsehdiskussion in den 1970er Jahren gerieten sie so heftig aneinander, dass sie sich nach der Sendung weigerten, sich die Hände zu geben. Für Roberts war Drurys Schweigen zu sozialen Ungerechtigkeiten gleichbedeutend mit Verrat.
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Pernell Roberts zahlte einen hohen Preis für seine Integrität. Nach seinem Ausstieg bei Bonanza galt er in Hollywood lange Zeit als schwierig und unberechenbar. Doch er bereute seine Entscheidung nie. Er kehrte zum Theater zurück und feierte später ein triumphales Comeback mit der Serie “Trapper John, M.D.”, für die er erneut große Anerkennung fand. Privat war sein Leben von Tragödien gezeichnet, insbesondere durch den frühen Tod seines einzigen Sohnes Jonathan bei einem Motorradunfall im Jahr 1989 – ein Schlag, von dem er sich nie ganz erholte.
Bis zu seinem Tod im Jahr 2010 blieb Roberts seinen Prinzipien treu. Er mied Fan-Conventions und das Rampenlicht, suchte stattdessen Ruhe und engagierte sich für soziale Gerechtigkeit. Er war der letzte Überlebende der ursprünglichen Cartwright-Besetzung, ein Mann, der bewies, dass man im Herzen der Traumfabrik überleben kann, ohne seine Seele zu verkaufen. Sein Vermächtnis ist nicht nur die Rolle des Adam Cartwright, sondern die Geschichte eines Mannes, der den Mut hatte, Nein zu sagen, als alle anderen Ja riefen. Pernell Roberts war eine Ausnahmeerscheinung – kantig, ehrlich und von einer Aufrichtigkeit, die in der heutigen Zeit seltener denn je ist.
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