Stefanie Hertel ist für Millionen von Menschen das Gesicht der deutschen Volksmusik. Seit ihrer Kindheit steht sie im Rampenlicht, stets mit einem strahlenden Lächeln und einer Herzlichkeit, die ihr die Türen zu den Herzen der Zuschauer öffnete. Doch hinter der perfekten Kulisse aus glitzernden Bühnenoutfits und harmonischen Klängen verbarg sich über Jahre hinweg eine Realität, die von tiefer Traurigkeit, innerer Zerrissenheit und einer fast unerträglichen emotionalen Last geprägt war. In einem mutigen Schritt hat die heute 46-jährige Künstlerin nun offenbart, was viele bereits ahnten, aber niemand wirklich wissen konnte: Ihr Leben war oft ein Kampf gegen die eigene Erschöpfung und die Angst, an den hohen Erwartungen zu zerbrechen.

Stefanie Hertel "Über jedes Bacherl geht a Brückerl": So entstand ihr  größter Hit - Schlager.de

Die Geschichte von Stefanie Hertel ist untrennbar mit ihrem frühen Ruhm verbunden. Schon als junges Mädchen wurde sie zur Ikone der Bodenständigkeit stilisiert. Doch genau diese Rolle wurde für sie im Laufe der Jahre zu einem goldenen Käfig. Während sie nach außen hin die “heile Welt” verkörperte, kämpfte sie privat mit den Trümmern ihrer ersten großen Liebe. Die Trennung von Stefan Mross war für sie weit mehr als nur das Ende einer Ehe; es war der Zusammenbruch eines Lebensentwurfs. Für eine Frau, die Werte wie Beständigkeit und familiären Zusammenhalt über alles stellt, war dieser Bruch eine traumatische Erfahrung, die sie lange Zeit nur schweigend verarbeitete.

Besonders belastend war für Stefanie Hertel der Spagat zwischen ihrer Rolle als öffentliche Person und ihrer Verantwortung als Mutter. Ihre Tochter Johanna war stets der Mittelpunkt ihres Universums. Aus dem Wunsch heraus, ihrem Kind trotz der Trennung Stabilität zu bieten, schluckte sie ihren eigenen Schmerz hinunter. Sie funktionierte, lächelte für die Kameras und lieferte ab, während sie innerlich von Einsamkeit und Selbstzweifeln zerfressen wurde. Dieses jahrelange Unterdrücken von Gefühlen hinterließ tiefe Spuren, die erst viel später durch die Beobachtungen ihres zweiten Ehemannes, Leopold Lanner, ans Licht kamen.

Leopold Lanner, der Mann an ihrer Seite, gab nun bewegende Einblicke in die verletzliche Seite der Sängerin. Er beschrieb, wie er eine Frau kennenlernte, die zwar nach außen hin gefasst wirkte, deren Seele jedoch übersät war mit Narben der Vergangenheit. Es gab Momente, so Lanner, in denen Stefanie ohne ersichtlichen Grund in Tränen ausbrach – ein Ventil für all den angestauten Schmerz, den sie über ein Jahrzehnt lang allein getragen hatte. Diese “leise Traurigkeit”, wie er es nennt, war ihr ständiger Begleiter, versteckt hinter der Professionalität einer Künstlerin, die gelernt hatte, dass Schwäche in ihrer Branche keinen Platz hat.

Fotos — Stefanie Hertel

Ein weiterer entscheidender Wendepunkt in ihrem Leben war die Erkenntnis, dass auch ihre körperliche Kraft nicht unendlich ist. Die ständige Reiserei, der Druck, immer “abliefern” zu müssen, und die emotionale Achterbahnfahrt der letzten Jahre forderten ihren Tribut. Stefanie Hertel berichtet von Phasen extremer Erschöpfung, Schlafstörungen und einer inneren Unruhe, die sie schließlich dazu zwangen, die Reißleine zu ziehen. Mit 46 Jahren musste sie sich eingestehen, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse viel zu lange hintenangestellt hatte. Es war der schmerzhafte, aber notwendige Prozess der Selbstfindung, der sie heute zu einer Frau macht, die ihre Grenzen kennt und diese auch laut ausspricht.

Heute blickt Stefanie Hertel auf ihren Weg zurück, ohne Groll, aber mit einer neuen, kompromisslosen Ehrlichkeit. Sie hat gelernt, dass wahre Stärke nicht darin liegt, immer weiterzumachen, sondern darin, zuzugeben, wenn man nicht mehr kann. Ihre Ehe mit Leopold Lanner bietet ihr heute den sicheren Hafen, den sie so lange vermisst hat – einen Ort, an dem sie nicht die “perfekte Stefanie” sein muss, sondern einfach sie selbst sein darf.

Dieses späte Geständnis ist ein Befreiungsschlag für die Künstlerin. Es zeigt uns eine Seite von Stefanie Hertel, die sie nahbarer und menschlicher macht als je zuvor. Es ist die Geschichte einer Frau, die den Mut gefunden hat, die Maske der Perfektion abzulegen und zu ihrer eigenen Zerbrechlichkeit zu stehen. Für ihre Fans ist dies eine wichtige Botschaft: Auch hinter dem hellsten Stern am Schlagerhimmel gibt es Schatten – und es ist völlig in Ordnung, diese Schatten zuzulassen, um endlich im eigenen Licht zu heilen.