Es gibt Namen in der deutschen Musiklandschaft, die klingen wie ein Donnerhall. Matthias Reim ist so ein Name. Wenn er „Verdammt, ich liebe dich“ anstimmt, singen Generationen mit. Doch hinter der Fassade des ewig jungen Rockstars, der seit über drei Jahrzehnten die Hallen füllt, verbirgt sich eine Lebensgeschichte, die so dramatisch ist, dass kein Drehbuchautor sie sich hätte krasser ausdenken können. Mit nunmehr 68 Jahren hat die Legende das Schweigen gebrochen und ein Geständnis abgelegt, das weit über die üblichen Schlagzeilen hinausgeht. Es ist die Bilanz eines Mannes, der 13 Millionen Euro Schulden anhäufte, drei Scheidungen hinter sich hat, sieben Kinder von fünf verschiedenen Frauen zeugte und – was am schwersten wiegt – dreimal dem Tod ins Auge blickte. „Mein Herz hat aufgehört zu schlagen, aber die Liebe hat mich zurückgeholt“, so seine Worte, die wie ein Beben durch die Schlagerwelt gingen.

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Der Aufstieg von Matthias Reim im Jahr 1990 war kometenhaft. Aus dem Nichts stürmte er die Charts, verkaufte Millionen von Tonträgern und wurde über Nacht zum Multimillionär. Doch der Ruhm war ein zweischneidiges Schwert. Reim, der sich selbst rückblickend eine „geschäftliche Naivität“ attestiert, beging den folgenschwersten Fehler seines Lebens: Er vertraute blind. Sein damaliger Manager Alfred Reimann erhielt volle Vollmacht über das wachsende Imperium. Während Reim auf den Bühnen schwitzte und seine Seele aus dem Leib sang, verspielte Reimann im Hintergrund das Vermögen in einem bizarren Geflecht aus riskanten Investitionen – von Computershops bis hin zu Friseursalons. Anfang der 2000er Jahre platzte die Bombe: Matthias Reim war nicht nur pleite, er saß auf einem Schuldenberg von rund 14 Millionen Euro. Der Mann, dem die Welt zu Füßen gelegen hatte, stand vor den Trümmern seiner Existenz. Doch anstatt aufzugeben, bewies er einen Kampfgeist, der seinesgleichen sucht. In einem vierjährigen Marathon durch das Privatinsolvenzverfahren kämpfte er sich zurück, tourte durch die kleinsten Hallen und wurde 2010 offiziell für schuldenfrei erklärt. Es war die Wiedergeburt eines Überlebenskünstlers.

Doch der Preis für diesen Kampf war seine Gesundheit. Der jahrelange psychische Stress und das mörderische Tempo der Rückkehr forderten ihren Tribut. Im Sommer 2015 stand Reim an der Schwelle zum Tod. Eine akute Herzmuskelentzündung zwang ihn in die Knie. Die Ärzte waren unmissverständlich: Wenn er noch einmal die Bühne betrete, würde sein Herz einfach aufhören zu schlagen. Es war das Ende aller Pläne und der Beginn einer Phase der nackten Angst. Selbst im Alter von über 60 Jahren brannte das Feuer in ihm oft zu heiß, was im September 2022 zu einem erneuten Zusammenbruch durch Burnout führte. Er musste schmerzhaft lernen, dass er kein unbesiegbarer Rockstar ist, sondern ein Mensch mit Narben auf der Seele.

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Besonders tief sitzt eine Wunde, über die er lange nur schwer sprechen konnte: Der Tod seines Sohnes Bastian im Jahr 2022. Bastian stammte aus Reims erster Ehe mit Miriam und litt seit seiner Geburt an einer schweren zerebralen Lähmung. Für Matthias Reim war sein Sohn jedoch nie eine Last, sondern ein „Schutzengel“ und ein Anker in der oberflächlichen Welt des Showbusiness. Bastian lehrte ihn bedingungslose Liebe und Geduld. Als Bastian im Alter von nur 35 Jahren verstarb, raubte dieser Verlust dem Sänger die letzte Lebensenergie und führte direkt in den totalen physischen Burnout. Es ist die größte Tragödie eines Vaters, das eigene Kind zu Grabe tragen zu müssen.

Auch Reims Privatleben glich über Jahrzehnte einem emotionalen Labyrinth. Drei Ehen und sieben Kinder von fünf verschiedenen Frauen – die Boulevardpresse stürzte sich gierig auf jede neue Verbindung. Doch hinter den Geschichten über Michelle oder seine anderen Partnerinnen stand oft ein Mann, der verzweifelt nach Stabilität suchte und von ständigen Schuldgefühlen geplagt war. Die Zerrissenheit, nicht für jedes Kind der Vater sein zu können, der er gerne gewesen wäre, und der immense finanzielle Druck, fünf Haushalte gleichzeitig zu finanzieren, trieben ihn oft an den Rand des Wahnsinns.

Matthias Reim | Fotos

Erst spät fand er den Hafen im Sturm. Im Jahr 2020 heiratete er die Schlagersängerin Christin Stark. Trotz des Altersunterschieds von 32 Jahren erwies sich Christin als seine „Feuerhüterin“. Sie war es, die ihn 2022 nach dem Tod seines Sohnes und seinem körperlichen Zusammenbruch wieder aufbaute. Die Geburt der gemeinsamen Tochter Zoe im selben Jahr wurde zum Symbol für seinen Neuanfang – eine Chance, im Herbst des Lebens noch einmal vieles richtig zu machen. Heute, mit 68 Jahren, wirkt Matthias Reim geläutert. Er springt vielleicht nicht mehr so wild über die Bühne wie 1990, aber seine Stimme hat eine Tiefe gewonnen, die von gelebtem Leben erzählt. Er hat gelernt, auf sein Herz zu hören – nicht nur beim Songschreiben, sondern auch dann, wenn es ihm sagt, dass er eine Pause braucht. Seine Geschichte ist ein flammendes Plädoyer für das Leben und ein Beweis dafür, dass es nie zu spät ist, aus den Ruinen der Vergangenheit ein neues, stabileres Fundament zu bauen. Matthias Reim ist geblieben – stärker und ehrlicher als je zuvor.