Sehr geehrte Damen und Herren, heute entführe ich Sie in eine Geschichte, die so unerwartet ist, dass sie selbst die eingefleischtesten Kenner der klassischen Musik verblüffen dürfte. Stellen Sie sich einen Mann vor, dessen Stimme Generationen verzauberte, dessen Name in den Konzertseelen Europas Ehrfurcht gebot und der doch in seinen letzten Lebensjahren ein Geheimnispreis gab, das alle bisherigen Bilder von ihm ins Wanken brachte.
Dietrich Fischer dieskau. Der unangefochtene Meister des Liedgesangs, der als Halbgt der Interpretation gefeiert wurde, war bekannt für seine markellose Disziplin, seine unendliche Geduld und eine Nobless, die kaum je Risse zeigte. Doch kurz vor seinem 87. Geburtstag gestand er einem engen Vertrauten ein Bekenntnis, das wie ein Donnerschlag in der Musikwelt halte.
Ich habe fünf Sänger in meinem Herzen, soll er gesagt haben, deren Stimmen mich seit Jahrzehnten in eine stille Wut versetzen. Was konnte diesen kultivierten Bariton, der selbst den Krieg überlebte und jahrzehntelange Rivalitäten mit Gelassenheit ertrug? Zu einem solch drastischen Urteil bringen heute Abend öffnen wir gemeinsam Letzte.
Verschlossene Kapitel seines Lebens. Ein Kapitel, das zeigt, wie tief Kränkungen in einer Künstlerseele gehen können. Sehr geehrte Damen und Herren, bevor wir in die verborgenen Abgründe seines Denkens eintauchen, möchte ich Ihnen ein Bild jenes Mannes zeichnen, der so viele Jahrzehntelang als Innbegriff der musikalischen Nobles galt.
Dietrich Fischeru kam am 28. Mai 1925 in Berlin zur Welt als Sohn eines Schulleiters und einer Lehrerin. Schon als Kind umgab ihn eine stille Ernsthaftigkeit, die ihn von gleichaltrigen Unterschied. Während andere tobten und lärmten, saß er stundenlang über Gedichtbänden und sprach Verse halblaut vor sich hin, als ahnte er, dass sein Leben untrennbar mit Worten und Tönen verwoben sein würde.
Seine Karriere begann in den späten 1940er Jahren. Als Europa sich langsam von den Trümmern des Krieges erhob, kaum jemand ahnte, dass der junge Mann, der so schmal und ernst am Klavier stand, bald zu einer Legende des Liedgesangs avancieren würde. seine Interpretation der Schubertliederzyklen Winterreise, schöne Müllerin, Schwanengesang wurden bald zu Referenzen, an denen sich ganze Generationen von Sängern maßen.
Fischer Diskau verstand es, jedes Lied wie eine kleine intime Erzählung zu gestalten mit einer Präzision. Die Kritiker immer wieder als übermenschlich beschrieben. Doch es wäre ein Irrtum zu glauben. Er habe nur auf den Konzertpodien brilliert. Auch auf der Opernbühne gelang ihm eine Karriere, die so facettenreich war wie sein Tarbre.
In den Opernhäusern von Berlin, München, Wien und Mailand sang er die großen Rollen des Mozartrepertoirs, verkörperte Werdesgraf Luna, Wagners Wolfram und unzählige andere Figuren, deren Schicksale er mit derselben unbestechlichen Intensität nachzeichnete wie im Lied. Nicht selten verließen Zuhörer seine Vorstellungen mit Tränen in den Augen, ergriffen von der Tiefe, die er selbst den scheinbar einfachsten Melodien verlie.
Man erzählt sich, dass selbst Kolleginnen wie Elisabeth Schwarzkopf, die für ihre eigene Stränge gefürchtet war, ihn heimlich einen geborenen Gott nannte. Fischer Diesu aber blieb äußerlich bescheiden. Er ließ sich nie zu selbstgefälligen Gesten hinreißen, miet das grelle Licht der Boulevardpresse und widmete seine Energie ganz der Musik.
Vielleicht gerade deshalb verehrte ihn die Öffentlichkeit wie kaum einen anderen Sänger seiner Zeit. Privat führte er ein Leben, das nach außen geordnet wirkte. Doch auch hier verbargen sich Spannungen. Vier Ehen, darunter mit der gefeierten Tschellistin Astrid Warne und später mit der Sopranistin Julia Varadi deuteten darauf hin, dass er das Glück zwar immer wieder fand, es aber nie dauerhaft festhalten konnte.
Freunde beschrieben ihn als nachdenklich, manchmal unnahbar, stets getrieben von einem unstillbaren Hunger nach Vollkommenheit. Wer mit ihm arbeitete, spürte diesen hohen Anspruch bis in die kleinste Probe hinein. Seine Pianisten erzählten, wie er in unzähligen Sitzungen an winzigen Nuancen feilte, an einer Silbe, einem einzigen Aten, bis er sicher war, den Kern des Liedes freigelegt zu haben.
Dieser kompromisslose Perfektionismus brachte ihm nicht nur Bewunderung ein, sondern auch leise Ablehnung. Einige Kollegen murten. Er sei zu kühl, zu pedantisch, nicht menschlich genug. Doch es half nichts. Fischer dieskaus künstlerische Größe überstrahlte jeden Vorwurf.
Seine Diskografie wuchs Jahr für Jahr, bis sie schließlich hunderte von Aufnahmen umfasste. Kritiker in London, Paris und New York waren sich einig. Kein Sänger hatte je so tief in das Innerste des romantischen Lieds hineingeleuchtet. Mit dem Ruhestand zog er sich nicht völlig zurück. Er dirigierte, schrieb Bücher über Musik und Kunst, gab Meisterkurse.
Wenn er auftrat, war es weniger ein Konzert als eine Art ritueller Begegnung mit dem Publikum, das in seinem Vortrag eine fast sakrale Erfahrung sah. Man glaubte lange. Er sei vollkommen unempfindlich gegen den Lärm der Welt, gegen Eitelkeiten, gegen Ressentiments. Doch wie wir gleich hören werden, blieb auch Fischer Dies Verletzungen und Enttäuschungen, die sich über Jahre ansammelten, denn so glänzend die Fassade war, dahinter lauerte ein stilles, nagendes Gefühl, dass nicht jede Stimme, nicht jede Interpretation, nicht jede Begegnung mit Kollegen seinem Ideal gerecht wurde. Und manchmal, in seltenen Momenten, erlaubte er sich ein Bekenntnis, dass all die Beherrschung, all die Würde für einen Augenblick durchbrach. Sehr geehrte Damen und
Herren, nun treten wir ein in jenen verborgenen Raum der Erinnerung, in dem Dietrich Fischer Dkau die Schatten seiner langen Karriere verwahrte. Viele glaubten, ein Mann wie er könne keine Bitterkeit empfinden. Doch was er in seinen letzten Jahren anvertraute, wirkte wie ein leiser, aber unmissverständlicher Aufschrei.
Es begann, so erzählte er in den frühen 50er Jahren, als sein Stern gerade im Begriff war, aufzusteigen. Er war ein junger, ernster Bariton, erfüllt vom glühenden Wunsch, dem deutschen Lied ein neues Gesicht zu geben. Er wollte der Romantik eine Reinheit schenken, die sie in der Zeit des Missbrauchs durch die Nazipropaganda verloren hatte.
Doch je mehr er sang, je mehr er auftrat, desto deutlicher spürte er, dass nicht alle Kollegen dieselbe Haltung teilten. Einige behandelten Schubert oder Schuhmann wie gefällige Hintergrundmusik. Sie polierten nur die Oberfläche, ließen die Abgründe unberührt. Ich habe es gehasst, wenn jemand mit einer schönen Stimme auf die Bühne trat und so tat, als wäre das genug, sagte er einmal leise, fast mit Bedauern.
Das Lied ist kein Zierwerk, es ist ein Bekenntnis. Im Lauf der Jahrzehnte wuchs dieses Unbehagen. Immer wieder kam es vor, daß er bei Festivals dieselben Sänger traf, deren oberflächliche Interpretationen ihn in stille Wut versetzten. Sie lächelten verbindlich, tauschten Höflichkeiten, aber er wusste, hinter diesen höflichen Masken lag etwas, das er nicht akzeptieren konnte.
Gleichgültigkeit. Ein Vorfall in den späten 60er Jahren stach besonders hervor. Fischeru hatte sich bereit erklärt, mit einem damals gefeierten Tenor ein Rezital zu teilen. Schon in der Generalprobe spürte er ein leichtes Frösteln, als seinen Partner mit ausladenen Gesten durch Schuberts Winterreise eilte, als wäre es ein buntes Operettenpotpur Fischer dieskau schwieg, doch sein Blick soll so kalt gewesen sein, dass der Tenor am Ende der Probe kaum wagte, ihn anzusprechen.
Das war der Moment, in dem ich wusste, dass wir verschiedene Welten bewohnen, erinnerte er sich Jahrzehnte später. Auch im privaten Bereich sammelten sich Erlebnisse, die ihn prägten. Er erzählte, wie er nach einem Konzert in Paris einmal in der Garderobe saß, noch voller Konzentration, als ein bekannter Bariton hereinstürzte, injovial auf die Schulter klopfte und lachend rief: “Er solle nicht so ein Theater machen.
Es sei doch nur ein Liederabend.” Fischer dieskau schwieg, aber tief in ihm brannte etwas, dass er nie ganz los wurde, das Gefühl, dass sein Einsatz, sein Ernst, sein Respekt vor der Kunst von manchen verspottet wurde. Es gab andere Episoden, die ihn verletzten, obwohl er sie selten öffentlich machte. In den 80er Jahren, als er längst als Ikone galt, druckte ein deutsches Musikmagazin einen polemischen Artikel, indem man ihm kalte Arroganz vorwarf und behauptete, er habe nie wirklich Gefühle gezeigt. Fischer Dieskau las den Text in seinem Haus am Starnbergere, legte das Heft beiseite und ging in den Garten. Er sprach an diesem Tag mit niemandem über den Artikel, aber später bekannte er in einem Brief an einen Freund: “Sie verstehen nicht, dass es die größte Demut ist, wenn man jede Note
prüft, jedes Wort bis ins Innerste fühlt. Ich wollte nie bewundert werden. Ich wollte nur nicht betrogen werden, weder vom Publikum noch von den Kollegen. Dieses Gefühl betrogen zu werden, sei es durch Nachlässigkeit oder durch Eitelkeit, schien in seinen Erinnerungen wie ein roter Faden zu verlaufen.
Vor allem in seinen letzten Lebensjahren sprach er häufiger davon, dass ihn der schnelle Ruhm vieler jüngerer Sänger irritierte. “Sie haben keine Geduld mehr”, sagte er. Alles muss sofort laut sein, sofort bewegend, sofort greifbar. Das Lied verträgt diesen Lärm nicht. Er begann Listen zu führen. So wird gemunkelt. Keine offiziellen Listen, sondern Notizen, die er in ein kleines ledernes Heft schrieb.
Darin sollen jene fünf Namen gestanden haben, die ihm am meisten widerstrebten. Namen von Künstlern, die ihm in ihren Konzerten begegnet waren, deren Stimmen er technisch anerkennen konnte, aber deren Seelen er vergeblich suchte. “Es ist nicht Hass im vulgären Sinn”, erklärte er.
“Es ist ein unaufhörliches Kopfschütteln, eine Enttäuschung, die irgendwann zu einer stillen Abneigung wird. Wenn man diese Geständnisse hörte, erkannte man, dass auch der große Fischer dieskau ein Mensch war, der empfand, urteilte und manchmal verzweifelte. Ein Künstler, der von sich selbst die größte Wahrhaftigkeit forderte und es nie ertragen konnte, wenn andere sie nicht einmal suchten.
Sehr geehrte Damen und Herren, dies war der Beginn einer Enthüllung, die uns ahnen lässt, wie tief sein Empfinden ging. Sehr geehrte Damen und Herren, nun kommen wir zu jenem Punkt, an dem Dietrich Fischer dieskaus stiller Unmut über Jahre hinweg in einen offenen, wenn auch stets beherrschten Konflikt mündete, es war ein Höhepunkt, der für Außenstehende kaum sichtbar war, für ihn jedoch das Drama seines künstlerischen Lebens verkörperte.
In den 90er Jahren, als er sich allmählich von der Bühne zurückzog, häuften sich Einladungen zu Preisverleihungen und Ehrungen. Immer wieder musste er in den ersten Reihen sitzen, während andere sangen oft Sänger, die inzwischen gefeierte Stars waren, deren Interpretationen in den Phölletons überschwänglich gepriesen wurden.
Fischer Dieskau saß dort höflich, reglos, sein Gesicht eine Maske aus stiller Disziplin. Doch in seinem Innern, so bekannte er später, habe er ein wachsendes Gefühl von Fremdheit gespürt. “Sie singen laut”, sagte er einmal mit leiser Ironie. Sie singen schön, aber sie erzählen nichts. Ein besonders denkwürdiger Moment ereignete sich im Jahr 1993 bei einem Festakt in der Berliner Filharmonie.

Er war Ehrengast, sollte eine Auszeichnung überreichen als der Preisträger ein junger Tenor, der gerade begonnen hatte, das Repertoire der großen Liederzyklen zu erobern, Schubertz Gute Nacht intonierte, vernahm Fischer dieskau jede Silbe wie ein Hieb. Er empfand die Stimme als dekorativ, das Pathos als aufgesetzt und zum ersten Mal in seinem langen Leben konnte er den Applaus kaum ertragen.
Später sagte er in einem Interview, das nie vollständig veröffentlicht wurde. Ich hatte das Gefühl, als würden sie ein altes Gemälde mit grellen Farben überschminken, damit es dem Publikum gefällt. Diese Enttäuschung blieb nicht ohne Folgen. In privaten Briefen begann er seine Erfahrungen festzuhalten. Er schrieb über den Lärm der Eitelkeit, den er bei so vielen Gelegenheiten hörte.
Er schilderte, wie er nach Konzerten oft minutenlang in der Künstlergarderobe verharrte, um sich zu sammeln. Manchmal ging er dann hinaus, gratulierte höflich, aber innerlich fühlte er sich so fern wie ein Beobachter aus einer anderen Epoche. Es war auch die Zeit, in der er begann, den Begriff Hass in einem ganz eigenen Sinn zu verwenden.
“Es ist ein kalter Hass”, erklärte er. “Kein Zorn, keine Wut, sondern eine Verweigerung, dieses Spiel mitzuspielen. Die Medien bekamen davon nur wenig mit.” Fischer Dieskau galt weiterhin als respektabler Elder Statesman des Liedgesangs, als Mentor und Vorbild, aber in vertraulichen Gesprächen mit engen Freunden ließ er durchblicken, wie tief die Kluft war, die ihn von jenen Sängern trennte, die er ins Geheim für Blender hielt.
Wenn sie je erlebt haben, wie ein Publikum tobt, weil es glaubt, etwas Großes gehört zu haben, nur weil es laut genug war, dann verstehen Sie meinen Schmerz. schrieb er einmal an einen Freund. Es ist als stünde man vor einer Kathedrale, die sie in ein Kaufhaus verwandeln. Im Jahr 2000 entschloss er sich, seine Memoiren zu beginnen.
Er wollte ursprünglich nur seine künstlerischen Erfahrungen schildern, aber bald fanden auch diese Erlebnisse ihren Weg in die Manuskripte. Freunde, die Ein Blick in seine Notizen erhielten, waren erstaunt über die Klarheit, mit der er Namen und Konzerte dokumentierte, in denen er sich innerlich verraten fühlte.
Die gegenseitigen Angriffe blieben unausgesprochen, aber sie existierten dennoch in Gesten, Blicken, kleinen öffentlichen Anspielungen. Bei einem Liederabend in Salzburg etwa soll er, nachdem ein junger Bariton sein Programm beendet hatte. gesagt haben, man kann den Text studieren, aber man kann ihn nicht kaufen.
Der Satz halte wie eine versteckte Ohrfeige durch den Saal, auch wenn der Betroffene es damals nicht verstand. Auch in Interviews deutete er gelegentlich an, wie enttäuscht er war über die Entwicklungen in der Musikwelt. Heute sagte er in einem Gespräch mit einer Wiener Zeitung ist der Respekt vor dem Werk zweitrangig.
Hauptsache, man ist präsent. Hauptsache, man verkauft. Doch am eindringlichsten waren jene wenigen Sätze, die er kurz vor seinem Tod einem befreundeten Dirigenten anvertraute. Ich habe jahrelang auf eine Entschuldigung gewartet, nicht von einer einzelnen Person, sondern von dieser ganzen Generation, die geglaubt hat.
Man könne Gefühle simulieren wie ein Werbespot, aber diese Entschuldigung ist nie gekommen. Und dann fügte er hinzu, fast flüsternd: “Mein Sohn ist ohne seinen Vater aufgewachsen, weil ich immer unterwegs war und wofür? Für ein Publikum, das irgendwann nur noch den lautesten Applaus gelten ließ. Vielleicht habe ich mich selbst getäuscht.
” Sehr geehrte Damen und Herren, in diesen Worten offenbart sich der ganze Zwiespalt eines Künstlers, der alles geben wollte und am Ende dennoch den Eindruck hatte. Die Seele der Musik sei in einer grellen, unaufrichtigen Zeit verloren gegangen. Sehr geehrte Damen und Herren, so viel Bitterkeit, so viele enttäuschte Hoffnungen.
Man möchte glauben, ein solcher Mensch könne nicht mehr zur Versöhnung finden. Doch das Schicksal hatte für Dietrich Fischer dieskau eine letzte leise Wendung vorgesehen, die alles in ein milderes Licht tauchte. Es war wenige Monate vor seinem Tod, als er in seinem Haus in Berg am Starnberger See einen Besuch empfing, der ihm noch einmal den Wert jener Musik zeigte, die er so sehr verteidigt hatte.
Einer seiner früheren Schüler, ein junger Bariton, dessen Stimme er jahrelang nur mit Distanz betrachtet hatte, kam mit der Bitte ihm eine Aufnahme vorzuspielen. Er zögerte erst, dann ließ er sich doch in den Sessel sinken, den Blick gesenkt, die ersten Takte erklangen. Schubertz, der Leiermann, jene düstere, fast gespenstische Melodie, mit der die Winterreise endet.
Fischer dieskau hörte still zu. Vielleicht erinnerte er sich in diesem Augenblick an all die Nächte, in denen er selbst diese Verse gesungen hatte, an die endlosen Proben, die einsamen Hotelzimmer, die Applausstürme und die Tage, an denen er nur das Schweigen spürte, als das Lied verklang. schwieg er lange.
Dann sah er den jungen Mann an und sagte mit rauer Stimme: “Du hast es verstanden. Du hast nicht gesungen, um zu gefallen. Du hast gesungen, weil du nicht anders konntest.” Es war der Moment, in dem zum ersten Mal seit vielen Jahren so etwas wie Wärme in seinen Zügen lag. Vielleicht war es diese Begegnung, die ihnen erkennen ließ, dass die Leidenschaft für das Lied nicht ganz verschwunden war, dass es noch Menschen gab, die es ehrten.
Sein Sohn berichtete später, dass er in diesen letzten Wochen ruhiger wurde. Er las viel, hörte alte Aufnahmen, sprach über seine Zweifel, aber auch über sein Glück. Mehrmals soll er in seinem Arbeitszimmer gesessen und in das kleine Notizbuch geblickt haben, in dem jene fünf Namen standen.
Und dann eines Abends nahm er ein Glas Wein, strich über die Seiten und sagte halblaut: “Es ist genug. Sie sind was Sie sind und ich bin, was ich war.” Diese Worte klingen so schlicht, doch sie waren das Bekenntnis eines Mannes, der die Last der Enttäuschung nicht länger tragen wollte. In den allerletzten Tagen kam die Familie zusammen, seine Frau Julia Varadi, seine Kinder, einige enge Freunde.
Sie erzählten, dass er mit einer Sanftheit sprach, die sie lange nicht mehr bei ihm gespürt hatten. Nach allem, sagte er, bleibt nur die Familie, nur die Liebe, alles andere war nur Lärm. Sehr geehrte Damen und Herren, in dieser stillen Versöhnung liegt vielleicht die größte Größe dieses Künstlers. Er hat sein Leben lang gefordert, gezweifelt, geurteilt.

Doch am Ende blieb ihm die Erkenntnis, dass Vergebung auch bedeutet, sich selbst zu erlauben, loszulassen. Sehr geehrte Damen und Herren, nun stehen wir am Ende einer Geschichte, die uns nicht nur von einem außergewöhnlichen Künstler erzählt hat, sondern auch von den Rissen, die in selbst die stärksten Seelen dringen können.
Wir haben Dietrich Fischer Dieskau begleitet auf seinem Weg durch unzählige Konzertseele, durch Triumphe und stille Niederlagen, durch Jahre, die erfüllt waren von Applaus, aber auch von nagendem Zweifel. Sein letztes Bekenntnis, dass er manche Stimmen nie ertragen konnte. Weil sie ihm wie leere Gesten erschienen, wirft eine Frage auf, die weit über die Welt der Musik hinausreicht.
Ist es wirklich möglich? Jahrzehntelang in höchster Vollkommenheit zu arbeiten, ohne irgendwann von Enttäuschung zerfressen zu werden, oder liegt in diesem Anspruch an Reinheit, an völlige Wahrhaftigkeit, eine Einsamkeit, die am Ende jeden Menschen heimsucht. Sehr geehrte Damen und Herren, wenn Sie heute an Ihre eigenen Maßstäbe denken, an die Erwartungen, die Sie an andere richten, an die Ideale, die Sie niemals aufgeben wollen, fragen Sie sich, wie viel Versöhnung steckt in Ihrem Herzen, wie leicht fällt es Ihnen zu vergeben, wenn das Gefühl bleibt, dass etwas Kostbares nicht mit dem gleichen Respekt behandelt wurde, den sie ihm schenken. Vielleicht war Fischer dieskaus größte Leistung nicht, dass er Schubert besser sang als alle anderen, sondern dass er trotz allem ein letztes Mal sagte: “Es ist
genug. Ein Satz, der wie ein stilles Einverständnis mit der Unvollkommenheit klingt. Ruhm, Macht, makellose Karriere. ist all das wirklich so viel wert, wenn darüber das Vertrauen verloren geht, wenn die Liebe zu dem, was man tut, sich in eine Last verwandelt, meine Damen und Herren, eine Geschichte hinter den glanzvollen Bühnen, die ein nagendes Gefühl hinterlässt, dass nur die Beteiligten ganz verstehen können.
Ich danke Ihnen, dass Sie Dietrich Fischer Dies auf diesem letzten Weg begleitet haben.
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