Er ist der Mann mit der ruhigen Präsenz, der Ermittler, dem man im deutschen Fernsehen blind vertraut. Igor Jeftic hat sich als fester Bestandteil der „Rosenheim-Cops“ in die Herzen von Millionen Zuschauern gespielt. Doch während er auf dem Bildschirm Souveränität und Gelassenheit ausstrahlt, verbarg sich hinter den Kulissen ein Leben, das von tiefen Erschütterungen, existenziellen Ängsten und einem jahrzehntelangen Schweigen geprägt war. Mit 54 Jahren hat Jeftic nun den Mut gefunden, über das zu sprechen, was viele bereits vermuteten: Ein Leben im Schatten einer traumatischen Vergangenheit, das erst jetzt, im reiferen Alter, in ein helleres Licht rückt.

Jeftics Biografie ist keine klassische Aufstiegsgeschichte. Geboren 1971 in Belgrad, waren seine frühen Jahre von Umbrüchen gezeichnet. Die Erfahrung von Migration, der schmerzhafte Abschied von der Heimat und die mühsame Suche nach Zugehörigkeit in einer neuen Welt hinterließen tiefe Wunden. Besonders prägend war das Verhältnis zu seinem Vater – einem Mann von stillem Stolz, der den Verlust der Heimat mit einer Würde trug, hinter der sich ein nagender Schmerz verbarg. Igor musste als Kind mit ansehen, wie sein Vater innerlich zerbrach, ohne ihm helfen zu können. Dieses Gefühl der Ohnmacht und die Last, in einer fremden Umgebung funktionieren zu müssen, ließen ihn früh still werden. Er lernte, seine Verletzlichkeit hinter einer Mauer aus Disziplin und Stärke zu verbergen – eine Haltung, die ihn später als Schauspieler zwar glaubwürdig machte, ihn innerlich jedoch lange gefangen hielt.

A YouTube thumbnail with maxres quality

Die Schauspielerei war für Jeftic nie ein Streben nach Ruhm, sondern ein Ventil, um Gefühle sichtbar zu machen, die er im Alltag nicht zu zeigen wagte. Doch auch der berufliche Weg war steinig. Hinter dem Applaus verbargen sich Phasen finanzieller Enge und quälender Selbstzweifel. Es gab Momente, in denen er kurz davor stand, alles hinzuschmeißen, weil die Last der Unsicherheit zu groß wurde. Erst ein tiefgreifendes Gespräch mit seinem Vater, der ihm klarmachte, dass Scheitern kein Zeichen von Schwäche, sondern von Mut sei, gab ihm die Kraft, seinen Weg fortzusetzen. Diese Krise wurde zum Wendepunkt: Jeftic begann, seinen Wert nicht mehr an äußeren Erfolgen zu messen, sondern an der Treue zu sich selbst.

Rosenheim-Cops-Star über unschöne Erlebnisse mit Fans - „Wenn Leute denken,  dass ...“

Auch in der Liebe war Jeftics Weg alles andere als geradlinig. Die Angst vor erneutem Verlust machte ihn vorsichtig, fast distanziert. Lange Zeit schien eine feste Partnerschaft für ihn unerreichbar, da er niemanden mit seinen inneren Kämpfen belasten wollte. Doch mit 54 Jahren scheint er angekommen zu sein. Er spricht heute offen über eine Partnerin, die er als die Liebe seines Lebens bezeichnet – eine Beziehung, die auf Respekt, Geduld und der Freiheit basiert, einfach „sein“ zu dürfen, ohne eine Rolle spielen zu müssen. Sogar eine Hochzeit steht als leise Möglichkeit im Raum, fernab von medialem Druck und öffentlichen Erwartungen.

Igor Jeftic - Filmmakers

Heute blickt Igor Jeftic mit einer neuen Achtsamkeit auf sein Leben. Er schätzt die Stille, den Rückzug in die Natur und die Unabhängigkeit, die ihm sein heutiger Erfolg ermöglicht. Er hat gelernt, dass Gesundheit nicht nur körperliche Fitness bedeutet, sondern vor allem seelische Ordnung. Sein Vermächtnis als Schauspieler ist eines der Wahrhaftigkeit – er spielt nicht den Helden, sondern den Menschen mit all seinen Brüchen. Igor Jeftic zeigt uns, dass wahre Stärke darin liegt, die eigene Verletzlichkeit anzunehmen und das Schweigen zu brechen, wenn die Zeit reif ist. Seine Geschichte ist ein Beweis dafür, dass Heilung möglich ist, wenn man den Mut hat, ehrlich zu sich selbst zu sein.