Es ist erst früher Abend am Silvestertag 2025, doch in der deutschen Hauptstadt herrscht bereits ein Ausnahmezustand, der Schlimmstes für die kommenden Stunden befürchten lässt. Während die meisten Menschen sich auf einen friedlichen Jahreswechsel vorbereiten, kämpfen Tausende Einsatzkräfte in Berlin gegen eine neue Dimension der Gewalt und Kriminalität. Was früher ein harmloses Knallen war, ist längst zu einer gefährlichen Materialschlacht mit lebensgefährlichen Sprengkörpern mutiert. Die ersten Berichte der Polizei zeichnen ein Bild des Schreckens: Illegale Kugelbomben, Schüsse aus Wohnungen und ein florierender Schwarzmarkt für Pyrotechnik mitten auf der Straße.

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Schlag gegen den illegalen Feuerwerks-Handel in Neukölln

Besonders im Brennpunktbezirk Neukölln zeigt der Rechtsstaat bereits vor Mitternacht deutliche Präsenz. Bei Durchsuchungen in drei Wohnungen stießen Beamte auf ein Arsenal, das nichts mehr mit herkömmlichem Feuerwerk zu tun hat. Insgesamt 14 Kilogramm Nettoexplosionsmasse wurden beschlagnahmt, darunter sogenannte Kugelbomben. Diese Sprengkörper sind so gewaltig, dass sie bei einer Detonation im letzten Jahr Fensterfronten ganzer Häuserzeilen zerstörten und Bewohner wochenlang obdachlos machten. Neben der Pyrotechnik stellten die Ermittler erhebliche Mengen an Bargeld sicher, was auf einen großflächigen, organisierten Handel hindeutet.

Doch die Dreistigkeit der Täter kennt keine Grenzen. In einer anderen Straße wurden Beamte auf ein Carsharing-Fahrzeug aufmerksam gemacht. Ein Blick durch die Scheiben bestätigte den Verdacht: Der Wagen war bis unters Dach mit Kartons voller illegaler Pyrotechnik gefüllt. Offensichtlich wurde hier ein mobiler Verkaufsstand betrieben, um die verbotene Ware direkt an den Mann zu bringen. Rund um das Auto lagen bereits leere Verpackungen – ein klares Zeichen für einen regen Betrieb mitten in der Berliner Öffentlichkeit.

Silvester in Berlin: Polizei meldet zahlreiche Festnahmen wegen  gefährlicher Böllerei - DER SPIEGEL

Schüsse und Angriffe: Polizisten im Fadenkreuz

Die Berliner Polizei ist mit einem massiven Aufgebot von 4.300 Einsatzkräften im Stadtgebiet unterwegs. Ihr Auftrag: einen „friedlichen Jahreswechsel“ zu gewährleisten. Doch die Realität sieht anders aus. In der Mittelstraße in Berlin-Mitte musste eine Wohnung lokalisiert werden, nachdem Zeugen gemeldet hatten, dass von einem Balkon aus Schüsse abgefeuert wurden. Die Polizei konnte den Schützen stellen und eine Schreckschusswaffe samt Munition beschlagnahmen. Es ist nur einer von vielen Vorfällen, die zeigen, wie leichtfertig und aggressiv in dieser Nacht mit Waffen und Feuerwerk umgegangen wird.

Oft sind es die Beamten selbst, die zur Zielscheibe werden. In den vergangenen Jahren wurden Einsatzkräfte gezielt mit Raketen und Böllern beschossen. Diese Gewaltbereitschaft gegenüber denjenigen, die ihren Dienst für die Allgemeinheit leisten, hat eine Qualität erreicht, die viele Beobachter fassungslos macht. Dass diese Polizisten Silvester nicht bei ihren Familien verbringen können, um stattdessen in schusssicheren Westen auf den Straßen zu stehen, wird von vielen als trauriger Tiefpunkt der gesellschaftlichen Entwicklung wahrgenommen.

Kugelbomben in Neuköllner Wohnungen: Berliner Polizei stellt 14 Kilo  Sprengstoff und viel Bargeld sicher

Eine Debatte über Ursachen und Konsequenzen

Inmitten des Chaos kocht auch die politische Debatte um die Herkunft der Täter und die Ursachen dieser Eskalationen wieder hoch. Während Polizeiforscher in öffentlich-rechtlichen Medien oft von „entwurzelter Männlichkeit“ oder „Party- und Eventszenen“ sprechen, wird in sozialen Medien und in den betroffenen Vierteln hitzig über gescheiterte Integration diskutiert. Kritiker weisen darauf hin, dass diese massiven Ausschreitungen und die Missachtung des Rechtsstaates in dieser Form erst seit etwa zehn Jahren ein regelmäßiges Phänomen der Silvesternacht sind.

Die Bilder aus Berlin-Neukölln und anderen Hotspots werden morgen wieder die Titelseiten füllen. Die Politik wird sich vermutlich dafür feiern, dass die Stadt „nicht komplett abgebrannt“ ist, während die betroffenen Anwohner und die erschöpften Polizisten mit den Scherben einer eskalierten Nacht zurückbleiben.

Was wir in diesen Stunden in Berlin erleben, ist mehr als nur ein lautstarker Jahreswechsel. Es ist ein Symptom für tiefgreifende Probleme in der inneren Sicherheit und im gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wenn Kugelbomben in Carsharing-Autos verkauft werden und Schüsse von Balkonen zur Normalität gehören, stellt sich die Frage: Wie viel Kontrolle hat der Staat in diesen Nächten noch?

Wir werden die Lage weiter beobachten und Sie über die Entwicklungen in der Silvesternacht auf dem Laufenden halten. Passen Sie auf sich und Ihre Liebsten auf – in einer Nacht, die in Berlin leider schon lange kein reines Fest der Freude mehr ist.